Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 100
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vermuthlich einen Beduinen oder Araber; ob aber die über
und unter dem Raben und hinter dem Manne stehenden Zei-
chen arabische Charaktere seyen, wage ich nicht zu behaupten.
Ich weiß wenigstens keine befriedigende Erklärung darüber
zu geben, und halte sie für bloße Striche und Schnörkel,
welche die Redenden einerseits von dem Symbole und Throne
des persischen Königes, andererseits von den symbolischen
Hirschen scheiden sollen. Dagegen glaube ich in dem Kn-
trelas zwischen den beiden Hirschen, welches dem Grafen
CayluS schwer zu begreifen und noch schwerer zu erklären
schien, etwas mehr als bloß scheidende Verzierung zu finden.

io. Die Hirsche selbst, von welchen der untere männ-
lich , der obere weiblich und zur Bezeichnung seines flüchti-
gen Laufs geflügelt erscheint, und welche einerseits oben,
andrerseits unten ein einfacher Schnitt in die Walze von dem
Uebrigen als ein für sich bestehendes Symbol absondert, zeigen
vermuthlich die Veranlassung und den Zweck der ganzen Zu-
sammenstellung aller bisher erklärten Figuren an. In dieser
Voraussetzung wende ich darauf das Sprüchwort an, welches
in den Fundgruben des Orients (III. Bd. IV.Hft. S. 230.)
unter den Proverbiis Meidani ex versione Pocochiana.

269. erläutert ist: Capreolos super midieres. Diese
Formel, womit man noch vor MohammedS Zeiten die Frauen
bei der Scheidung zu entlassen pflegte, soll gesprochen seyn,
wenn man die Verschwägerung oder Freundschaft zwischen
zweien Theilen aufkündigte und die bisherige Verbindung
trennen wollte. Daß hier etwas Aehnliches gemeint fei,
scheint mir sowohl aus der geschiedenen Stellung des männ-
lichen und weiblichen Hirsches, als auS der Stellung der
selbst zwischen dem redenden Manne und der schweigenden
weiblichen Figur, die sich (denn man darf nicht vergessen,
daß die Walzengestalt den Vortheil gewährt, das Ende der
entwickelten Peripherie mit dem Anfänge derselben von neuem
in Verbindung zu bringen) gegenseitig den Rücken zukehren,
und vorn durch den richtenden König von einander getrennt
sind, so wie aus etlichen andern Umständen zur Genüge her-
vorzugehen.
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