Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 104
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Beilage.

Ueber die vorgeblichen Schlangen am Merkuriusstabe.

Herrn Prof. Grotefend's Bemerkungen am Schlüsse des
vorstehenden Aufsatzes über die Bedeutsamkeit gewisser sonst
nur als leere Schnörkel angesehenen Verschlingungen und
Durchkreuzungen auf ägyptischen geschnittenen Steinen erin-
nert mich an die Erklärung, welche ich schon vor mehrern
Jahren über die symbolische Bedeutung der sich zwiefach
burchschlingenden Schlange am Kygvxciov (woraus durch
verdorbene Aussprache das lateinische caduceum. stammt),
dem Wunder - und Heroldstab des Hermes gegeben und darin
Zu zeigen versucht habe *), daß damit ursprünglich nichts
anders als der kunstreich geschürzte Knoten von Bändern und
Schnuren gemeint sei, womit die ältesten Kaufleute des Mit-
telmeers, den Phöniziern ihre Kisten und Maaren zu ver-
wahren und zu sichern pflegten.

Es mag nicht unstatthaft seyn, diese Muthmaßung hier
noch einmal der prüfenden Beurtheilung kundiger Alter-
thumsforscher vorzulegen, da auch Creuzer in seiner Sym-
bolik (der ersten Ausgabe, die zweite war beim Nieder-
fchreiben dieser Beilage noch nicht zur Hand) und Hirt in
seinem mythologischen Bilderbuche darauf keine Rücksicht
genommen haben. **)

*) Vasengemälde Th. II. S. 97. ff. In Gruber' s mytho-
logischem Wort er buche Th. II. S. 347. f. ist dl'eß excerpirt
worden.

**) Fast stets sind die zwei Drachen am Merkuriusstabe allegori-
sirtworden. So zuletzt noch von R. Paine Knight in seinem En-

quiry into the symbolical language of ancient avt and mythology
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