Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 106
DOI Artikel: 10.11588/diglit.9751.2
DOI Artikel: 10.11588/diglit.9751.3
DOI Artikel: 10.11588/diglit.9751.7
DOI Seite: 10.11588/diglit.9751#0155
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/amalthea1820/0155
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
io6

Allein diese ganze Schlangen'.Ausstattung ist spatere
Zuthat. Das Zeitalter der jonischen Sängerschule und
der Homeriden weiß sicherlich nichts davon. Der goldene
Zauber* * Stab, den in dem Homerischen Doppclepos Hermes,
der vermittelnde Botschafter (bidxro^og) schwingt, ist
immer nur der einfache, aber allwaltende, alles gestaltende
Wunderstab. An Flügel und Schlange ist noch nicht zu
denken. Wie bekannt, ist die älteste Hauptstelle von die-
sem Stabe in dem so vieles Befremdende einmischenden
Homerischen Hymnus auf den Hermes (V. 529-32.).
Da ertheilt Apollo dem mit ihm ausgesöhnten Merkur den
an Gütern und metallischen Schätzen reichen Stab, den
goldenen, den harmlosen, den dreiblättrigen,
den alle Weisen der Worte und Werke vollen-
denden. *) Hier ist doch schon diesem Stabe eine Zu-
that geworden, die auf etwas Schmückendes oder Mysti-

einander anblickendcn Drachen noch mehr bestätigt. Die Scholien zum
Thucydides erklären die einander entgegengesetzten Schlangen gar
durch zwei Heere, die in Schlachtordnung gegen einander stehn, srpa-
TOTTföa avTiTusisöfitva. Am vollständigsten spricht Plinius die gang-
bare Idee aus H. N. XXIX, 3. s. 12. Complexus anguium et
efferatorum concordia causa videtur esse, quare exterae gentes

(so rächt sich der stolze Römer wegen der Barbaren, womit die Grie-
chen oft die große Herrschernation stempelten) in p.cis argumentis
circumdata effigie anguium effecerint. Auch V 0 ß stimmt Mit
dieser allegorischen Erklärung überein in den mythoiog. Briefen.
Th II. S 51.

*) Die Stelle ist im 551. Vers ohnstreitig verdorben. Jlgen's
Erklärung ist, wie schon Matthiä bemerkt, mit dem Genius der
Sprache unvereinbar. Darum scheint mir Herrmann's sinnreiche
Verbesserung fürs erste, bis gnügenderes gefunden ist, der einzige
Ausweg zu feint:

ßchffCa) ßdßöOV TpiX£TT)\oV — Tj GE (pv’ka&El

jrdvTas i7cmpuivovG' oiuovs iyciüov re nai IpyodV.

Homeri Hymni et Epigrammata edit. Herrn, p. Z2.
loading ...