Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 109
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wurde, ursprünglich ganz den Handelsverkehr der Phönizier
mit den früher Einaewanderten, oder auch Urbewohnern
Griechenlands (beide heißen in verschiedenen Beziehungen
Pelasaer) zugehöre. *) Die Einführung dieses Gottes ist
in die Zeit zu setzen, wo die Phönizier fast auf allen wohl-
gelegenen Plätzen des insel- und küstenreichcn Griechenlands
ihre Bergwerke und Handelöfactoreien harten. In Hermes
personifizirt sich der Phönizische Kaufmann selbst, Sonnen-
und Monddienst (Kronos und Urania) zugleich einführend,
und das große Natursymbol, den Phallus, an eine Spitz-
saule heftend, woher alle Hermen entstanden, und woher
endlich der Zthyphallus (der wahre alte Hermes) wieder
mit dem Bacchus und Priapus zusammenfließt. Ueberall, wo
sich die listigen, schnell (durch Aufstellung eines Dreizacks)
Besitz ergreifenden sidonifch- libyschen Fremdlinge dem rohen
pelaöaischen Küstenbewohner zum erstenmale näherten, be-
durften sie ein unverkennbares deichen, daß sie nicht als
plündernde Seeräuber, sondern als friedliche Tauschhändler
kämen. Man bediente sich dazu des natürlichsten, noch jetzt
bei den Südsee -Insulanern häufig angetroffenen Kennzei-
chens , eines grünen Zweiges, der sich als Oelzweig oder
Lvrbeerzweig in aller spätern hellenischen Cultur als Zeichen
demüthiger Annäherung und Bitte fortpflanzte. Das ist der
B i t t z w e i g des griechischen Alterthums (Ixerqgia), und
weil unter allen Bäumen der Oelbaum der wohlthätigste und
willkommenste war, und in der Wiege und Geburtsstadt aller
wahren hellenischen Humanität, in Athen, seine dreifache
Weihe feierte, der Heil und Sühne verkündende Oelzweig

*) Dabei kann allerdings spater auch wohl etwas ägyptisches mit
ins Spiel gekommen seyn. Wenigstens hat die Vermuthung, die
Hug in feinen scharfsinnigen Untersuchungen über den Mythos —
der Griechen s. 276. vorbringt, daß die Beflngelung des Hermes
an seinem Petasus von den zu beiden Ohren anfgesteckren Federn der
ägyptischen Schriftpriester (ifpoypajijtareis), woher sie auch Pterc-
phoren hießen, entnommen sei, viel gefälliges.
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