Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 110
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(SdhXog). Wollene Bänder, schneeweiß oder auch mit
purpurner Einfassung, bei fortschreitender Verfeinerung in
mancherlei Aufbauschungen und Unterbindungen vermamüch-
faltigt, schmückten die Hörner und Brust der Opferthiere,
die Vorhallen und Thore der Tempel, und hatten eine viel-
fache religiöse Beziehung. *) Man heftete also auch derglei-
chen Bänder, Abzeichen eines durch Opfer zu bestätigenden
Bundes oder, wo es flehende Bitte galt, des von den
Flehenden zu umwindenden Hausaltars und Vestaheerdes,
an die Bittzweige. So wurde der Zweig mit den Wollbän-
dern (sipecMMVTj, velamentum) fertig. Man fand es
aber auch wohl bequemer und anständiger, einen weißge-

*) In einer erst noch zu schreibenden Technologie des Alterthums
wird die Frage, ob es auch Bandfabrikanten gegeben habe, gar sehr
bejahet werden müssen. Es gab auch eigene Bandhandlerinnen (man
denke an die Ta.ivwxod'Xis im Fragment des Eupolis beim Athenaus
VII. 12g. p. 198. Schweigh.) Wie vielerlei Bänder und Binden
brauchte der Opfer- und Priesterschmuck (<?r«/i/iara, infulae)? Dieß
wird auch für die verzierende Baukunst, die sie in Schnitzwerk und
Sculptur nachahmt, wichtig? Nun tritt es in das weite Reich der
Kranze ein. Da kommen die coronae lemnisearae. S. Lavina 1,229. t.
Wenn die Sieger in den Spielen gekränzt wurden, ging das Um-
schlingen eines Bandes vorher, welches nun in zierlichen Schleifen
auf die Schulter herabfiel; der hieß raiviwsai rdv vinr/aavTa.
Aber es wurden auch vielfarbige Bänder in die Kranze eingeflochten,
die eigentlichen lemnisci. Freilich seidene- und Spitzen - Bänder gab
es noch nicht! Dafür aber hatte Alexandrien den Ruhm, aus Papy-
rus - Bast die niedlichsten und zartesten Bänder zu fabriziren. S. P a-
schalius de coronis p. 6g4. ff. und Caylus Mcmoires de l’Acad.
des inscriptt. XXVI, 27Z. Hier ist von der noch schmucklosen Art
von Bändern die Rede, die bloß von der Wolle die Benennung hat-
ten, vielleicht ursprünglich auch nur aus feinen wollenen Faden, die
zusammengebunden wurden, bestanden. Denn EiptGiävi] kommt gewiß
von dpiov, Wolle her, obgleich Riemer in seinem Wörter buche
l, 522. Neue Ausg. dieß nur einen Calembour zu nennen beliebt.
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