Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 113
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nicht nur an den Fingern, sondern auch, wenn sie größer»
Umfangs waren, in Armbändern an den Armen trug. Ein
DoppelknoLcn mit einer zwiefachen Schleife war damals wich-
tig genug, um als Symbol des Verkehrs und der sichernden
Aufbewahrung, aus Holz geschnitzt, oder auch in Metall
gegossen , auf jedem Parlamentir - und Vergleichssiab ange-
steckt oder angefchmolzen zu werden. Und so entstand wohl
die Figur des göttlichen Heroldsstabes, die wir auf alten
Monumenten allezeit erblicken, die man weit mehr für eine
nur an zwei Enden offene Brezel, als für zwei in einander
verschlungene Schlangen ansehen würde. Gelehrte, die
überall Hieroglyphen wittern, ließen sie bald aus dem mysti-
schen Tau, bald aus dem Sistrum entstehen. Warum sollte
es aber nicht vielmehr das Bild des ältesten Nestelknüpfens
zur Aufbewahrung und Schonung der Truhen und ledernen
Säcke oder Schläuche, worin das Alterthum seine Kostbar-
keiten aufhob, oder um es mit dem wahren Namen auszu-
drücken, des ächten Herculesknotens *) seyn können, der
sich auch dann noch im dunkeln Gebiete des Aberglaubens
und in der hülfreichen, chirurgischen Operation des Ver-
bandanlegens erhielt, als längst schon andere Arten Bände
zu befestigen und Sachen durch Verschluß zu sichern üblich
geworden waren. Merkwürdig bleibt es aber, daß Stab
und Knoten vereinigt in tausend kaufmännischen Signaturen
noch jetzt gerade das gilt, was seine ursprüngliche Bedeu-
tung vor mehr als 2620 Jahren war, und daß die Phöni-
zier unsers Zeitalters, die Holländer und Britten, in man-

*) Die Hauptftelle ist beim Macrobius Sat. I, 19. p. Z-g. wo von
unfern Merkuriusstab, in dem der pantheistische Ausbeuter noch ein
Zeichen der Sonne stndet, gesagt wird! Hi dracones parte media
voluminis sui invicem nodo, quem vocant Herculis , obligantur.

Alles übrige, auch das magische Nestelknüpfen und die chirurgischen
Verbände betreffend, ist von mir beigcbracht worden in den Vasenge-
mälden Th. II. S. 103, ff.

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