Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 119
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I.

ueber d L e T r i p o d e tt.

Erste Abhandlung.

(Hierzu die Kupfer tafel III.)

§s ist anerkannt, daß rs in der griechischen Kunstgeschichte
einen Zeitpunkt giebt, in welchem das Handwerk, vorher
im Dienste eines vererbten und treubewahrten Glaubens , sich
in schnellen und kräftigen Regungen zur freien Kunst umge-
staltet: derselbe Zeitpunkt, in dem zugleich die alte fcstge-
gründete Aristokratie fast überall zu wanken beginnt, und hie
und da mehr oder minder vorbereitet freie Verfassungen sich
entwickeln; derselbe, in dem nach allen Richtungen das mäch-
tiger gewordene Leben alte Formen zerstört und von sich
wirft. In dieser Epoche der Kunstgeschichte erscheinen zwei
Classen von Werken, vor allen geeignet den ersten Anstoß zu
geben, die Hermen und die Tripoden. Beide waren
im Alterthum so zahlreich, daß die zwei ansehnlichsten Stra-
ßen des winklichen und enggebauten Athens von ihnen den
Namen erhielten: wie der Bildhauer lange ein Hcrmoglyph
hieß, so kannte der Erzarbeiter kein edleres Werk als einen
Dreifuß, der durch alte Satzung den Götterbildern nah ver-
wandt , doch zugleich der gebundenen Kunst, ehe Athleten-
statuen üblich wurden, den möglich freiesten Spielraum ge-
stattete. Warum konnten weder Hermen noch Tripoden den
Blicken derer entgehen, welche die Wichtigkeit dieser Zeit-
epoche anerkennen; und wenn meine Bemühung die letzter«
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