Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 120
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in einiges Licht zu setzen vermocht hat: so soll dasselbe auch
den erster« nicht fehlen dürfen. x)

Der Tripus ist ein heiliges Geräth, welches der Del-
phische Apoll von seinem Bruder und Nachbar, dem Diony-
sos am Parnaß, entlehnt hat. In den Gebirgsschluchten
und Engpässen des Parnaß und Kirrhis granzten die Völker,
welche man als Pfleger beider Dienste in mythischer Zeit an-
sehen darf, die Krcten von Kirrha und die Thraker von
Daulis, so unmittelbar, daß ein wechselseitiger Austausch
heiliger Symbole und Sagen dadurch nothwendig veranlaßt
werden mußte, der in den Mythen von Orpheus deutlich
genug hervortritt. Der Dreifuß hat also seine eigentliche
Bedeutung in bakchi sehen Relig io ns ideen, wo er
die zerrissenen Glieder des Gottes selbst aufnimmt: ursprüng-
lich ist er der dreifüßige Siedekessel (Tg'nrovg ejjLirvgißynislf
der in der alten Haushaltung den Tag über auf dem Feuer-
und Opferheerde stand. Wer zweifelt, daß diese heilige
Sage, so fremdartig sie dem Volksglauben war, sich doch
zeitig in das Delphische Adyton eingedrängt habe, wo un-
fern der goldnen Statue des Apollon eine stuftnartige Erhö-
hung von Kundigen als das Grab des Dionysos anerkannt
wurde, D und eine durch spatere Pythagoraer entstellte Sage
den Dreifuß selbst für das Grabmal Apollons ausgab.

Allein dem Delphischen Tempelgebrauche genügte keines-
wegs ein Kessel, in ein Gestell mit drei Füßen gehängt und
höchstens auf einen ähnlichen Untersatz gestellt: sondern um
das symbolische Geräth zum tönenden Sessel der Pythia zu
machen, mußte Mancherlei hinzukommen. Nun trugen drei

1) Das zunächst Folgende gründet sich auf Beweisstellen
und Ausführungen in der Dissertatio de tripode Delphico. Profes-
sionem philosophiae in Academia Georgia - Augusta extr. in se
sus^epturus scripsit Car. Odofr. Müller. Gottingae Jan. ig2o.

2) Eine genügende Auktorität ist der Attifche Mantis und Exeget
Philochoros bei Eufeb. Chronicon p. 122. Scab. p. 21. bei Sie:
belis. Daß es wirklich ein Adyton war, geht aus Pausankas 10,24,
4. hervor. Vergl. noch Kyrillos gegen Julian S. Z42. Spanh.
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