Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 121
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Ringe oder Handhaben, oberhalb der Füße befestigt, eine
Discusähnliche vollkommen platte Erz sch erbe, auf wel-
cher die Priesterin mit Anstand und Bequemlichkeit sitzen
konnte: da sie sich hingegen auf dem hemisphärischen Deckel
des Kessels, wohin sie neuerdings gefetzt worden ist, mit
aller Schenkelkraft nur höchst peinlich und ängstlich hätte
erhalten können. Diese Metallscheibe (6 rov rgiTrobog
xvxÄog, lanx rotunda et nietallica) heißt Holmos,
und der Dreifuß erhält davon den Namen der mensa
Delphica.

Dazu kam ein Schellgefäß, von Nonnos aqcuv, von
den Römern cortina genannt, von dünnem Erzblech gebil-
det und schön verziert, wie wir es auf dem Dresdner Kan-
delaberfuße zwischen dem Räuber Herakles und den mit ihm
kämpfenden Apollon liegen sehen. Seiner halb Eiähnlichen
Gestalt zu Folge kann dieß Gefäß unmöglich als Deckel auf
dem phialenförmigen Kessel gelegen haben; vielmehr scheint
es umgesiülpt und mit der Wölbung nach unten hineingesetzt
worden zu fcyn. Da es indessen nur bestimmt war, den
aus der tiefen Kluft aufsteigenden und durch eine Oeffnung
in den Kessel eindringenden Erdhauch aufzufassen und von
ihm bewegt und erschüttert zu tönen, bei allen Abbildungen
des Dreifußes aber fast nie in seiner rechten Lage erscheint:
so ist es schwer, über diese zu sichern Ergebnissen zu gelan-
gen. — So also setzen wir das Geräth zusammen, wel-
ches der Pythia zugleich einen festen, stetigen Sitz gewährt,
und doch durch den leisesten Hauch der Omphe, welche we-
hend, duftend, begeisternd aus dem Erdnabel aufsteigt, ge-
rührt und zu tönen vermocht werden kann; und haben cs
vielleicht deutlicher vor Augen, als die meisten Besucher
Delphi's, welche durch den Schatten des umhcrgesetzten Lor-
beers und die gebotene Entfernung, jenseits der das Adyton
bcgränzenden nieder» Mauer wohl schwerlich mehr als eine
heilige Dunkelheit schauten.

Von dem Delphischen Orakel aus geht nun Gestalt und
Anwendung des Dreifußes theils auf andere Orakel, na-
mentlich das Klarifche und das in römischer Zeit aufblühende
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