Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 129
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So waren in Athen die Tripoden ein fröhlicher Ehren-
schmuck der herrlichsten Chöre und Festfeier: mehr als Alter-
thümer, als Andenken der Vergangenheit sah man sie im
Ismenion zu Theben. Apollon Ismenios, der Schirm-
und Schutzgott Thebens, dessen Tempel außerhalb der Ring-
mauer am Flüßchen Jsmenos in einer höchst fruchtbaren und
wasserreichen Gegend lag, ist ganz ohne Zweifel eine Del-
phische Colonie. Denn der Gebrauch der Daphnepho-
rien, der bei den Böotischen Tempeln des Apollon Isme-
nios und Galapios statt fand, ist eine deutliche Nachbildung
der großen Delphischen Theorie nach Tempe: an beide knü-
pfen sich ennaererische Cyklen.32) Der Knabe, der an den
Daphnephorien als Ebenbild des jungen Apoll den Lorbeer
brach und heimbrachte, weihte darauf dem Gotte einen Tri-
pus: dazu wurden die edelsten und schönsten Söhne noch
lebender Eltern ausgesucht: auch Herakles sollte den Lorbeer-
zweig getragen und sein Vater Amphitryon für ihn den Tri-
pus geweiht haben, dessen angebliche Inschrift noch Pausa-
nias gelesen zu haben scheint. 33) Wir verwerfen aber diese
Sage auch aus geschichtlichen Gründen, da eine begründetere
Angabe die Einführung der Böotischen Daphnephorien erst in
die Zeit des Aeolerzuges setzt, 34) und überhaupt erst durch
diese Völkerwanderungen Delphi's Ansehn allgemein und
Apollon Pythios religiöser Gesetzgeber Griechenlands wurde.
Das Verdammungsurtheil über die Inschriften mit Kadmei-
schen Buchstaben auf andern Dreifüßen des Ismenions, die
Amphitryon von der Siegöbeute,33) Skaos als Kampfpreis
geweiht haben soll, bedarf keiner Bekräftigung: obschon
nicht geläugnet werden darf, daß die (poivixijia 36) nirgends

32) Orchomenvs S. 219. Aber nicht von dem Daphnephoros,

sondern vor ihm wurde die kalendarische getragen.

33) 9, 10, 4.

34) Orchomenvs S. 393.

35) Der Teleboischen Piraten. Soll man schreiben: sifiyirpvoov

liaviätjne veSov atro Ty'X.tßoäwv.

36) Wie die Buchstaben substantiv in den Mpais Trjiwv x. 99.

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