Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 131
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Wie nämlich die unterworfenen Ackerbauer der Orchome-
nischen Gegend ihren Fruchtzehnten weiland in das Minyni-
sche Staatsheiligthum, den Charitentempel, steuerten: 4i) so
waren nach der Böotischen Eroberung die Umwohner The-
bens auf das Ismenion hingewiesen. Hier war ein Stamm
Thebageneis, ohne Zweifel Pelasgische Ureinwohner,
welche die fruchtbaren Triften am Asopos bis an dessen Mün-
dung bewohnt hatten, hernach von den Aeolischen Böotern
unterworfen wurden. Diese waren verpflichtet zu bestimm-
ten Zeiten einen goldnen Dreifuß in den Tempel des Ismeni-
schen Apollon — des neuen Hauptgottes, der die alte De-
meter Achäa und Kabiria zurückgedrängt hatte — einzulie-
fern , nicht als eine Liturgie, wie die Vater der Daphnepho-
ren, sondern als Tribut. 42) Indessen erkannte derselbe
Tempel zugleich eine gewisse Abhängigkeit von dem alten Na-
tionalorakel zu Dodona an: indem jährlich nach altem Ge-
brauch, dessen angebliche Entstehung durchaus fabelhaft ist,
ein Dreifuß bei Nachtzeit aus dem Ismenion herausgenvm-
men und verhüllt nach Dodona gebracht wurde. 43) Eine
Theorie begleitet den heiligen Raub; tripodephorische Lieder
wurden gesungen. 44) Wahrscheinlich bildete diese Tripode-
phorie mit den Parthenien und der Daphnephorie nur ein
großes Fest.

Es ist auffallend, wie häufig die Sagen von geraubten,
geschenkten, verlornen Dreifüßen im Alterthum sind; und
fast überall gründen sich Herrschaftsrechte, Ansprüche, An-
maßungen darauf. Ich erinnere an den Dreifuß, den der

bei der Weihung des Kranzes oder vielleicht eines Dreifußes. —
vergl. Herod. I, 92. Auch war hier ohne Zweifel der eherne Apfel-
baum, dessen Früchte Lampen waren. Er kam durch Alerander nach
Kvme, später nach Rom zum Apollo Palatinus. Plinius H.N. 34,8-

41) Orchomenos S. 471.

42) Ebenda S. 397.

43) S. 385. Tpucoöijipopeiv eh dooöcavijv.

44) Tpinobr)<popina fitKrj, Proklos bei PhotioS S. 987. Pollux
4' 7, 53.
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