Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 138
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und Nachbarn geworden sind. Nur einen Theil desjenigen
will ich hier behandeln, was sich auch aus der Ferne ohne
jene Kenntniß aus den Berichten, Beschreibungen und Zeich-
nungen , die wir nun in reichem Maase besitzen, herleiten
und archäologisch bestimmen läßt.

Ich habe zu den Abhandlungen über die Epochen der bil-
denden Kunst unter den Griechen S. 72 u. 73 meine Ansich-
ten über den Inhalt und die Bedeutung der beiden Statuen-
gruppen gesagt. Was dort als in einer Anmerkung nur im
Allgemeinen und den Hauptzügen nach dargestellt wurde, soll
hier weiter ausgeführt und begründet werden.

Unsere Leser wissen, daß die Bildsäulen, von welchen
wir sprechen, zwei Gruppen bildeten, welche die beiden Gie-
belfelder eines dem Zeus Hellanios geweihetcn Tempels
auf Aegina schmückten, *) und daß sie aus noch lebenden und
gefallenen Kriegern bestehen, welche in jedem der beiden
Giebel von einer Bildsäule der Pallas getrennt waren, und
zu beiden Seiten der Göttin gegen einander andrängten, die
ihr zunächst gestellten, als welche unter dem höchsten Raume
des Giebels waren, fast ganz aufrecht stehend, und mit der
Lanze um einen Gefallenen streitend, zunächst ihnen andere
gebückt und auf den Knieen, ebenfalls um den Leichnam be-
schäftiget, wieder zurück unter den sich schon senkenden Gie-
bel beim Schützen auf den Knieen und den gespannten Bogen
an die Wange gelegt, in den äußersten Winkeln des Giebels
Leichname gefallner Krieger, alle Gestalten in gleichmäßiger
Entfernung von einander, und ungeachtet der Beschränkung
durch Raum und Form der Triangularfläche, durch die größte
Mannigfaltigkeit und Belebtheit der vielfach gewandten, ge-
stellten und um Einen Gegenstand bemühten Streiter.

Unverkennbar ist gleich hier, daß nicht im Allgemeinen
eine Kampfscene ohne nähere Bedeutung, noch weniger, wie
auch irgendwo sattsam gefabelt wurde, der Kampf der ein-

*) Von den Zweifeln, welche neulich zu Rom hierüber, wie wir
hören, sollen erhoben worden seyu, werden wir dann sprechen, wenn
sie öffentlich geworden sind.
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