Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 140
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der Athener und Perser vorstellen, würde auf eine
sehr unsichere Nachricht bauen. Ich habe diese Bildwerke
zu London auch in Beziehung auf jene Meinung von Vis-
conti genau und wiederholt betrachtet, und ihm bei meiner
Rückkunft nach Paris nicht verhehlt, daß ich die Zeichen von
Mannheit, die er an drei jener Figuren glaubte bemerkt zu
haben, *) nicht entdecken konnte, und die Werke durchaus
nichts enthielten, was veranlassen könnte, sie nicht für einen
Amazonenkampf, wofür sie bisher gegolten, auch künftig
noch anzufehen. Ob in jener frühen Zeit zum Schmuck der
Tempel Gemälde von historischen Gegenständen verfertiget
worden und zulässig gewesen seien, mag vor der Hand auf
sich beruhen; doch glaube ich es nicht. Was als Weihge-
schenk der Art in den Tempeln aufgestellt wurde, kommt als
freie Gabe, die mit den Tempeln in keiner weitern Verbin-
dung stand, nicht in Betracht; das Gemälde von der mara-
thonischen Schlacht aber war nicht zum Schmuck eines Tem-
pels , sondern einer Säulenhalle bestimmt. Ueberhaupt wird
bei künftigen Untersuchungen über die ältere Kunst der Grie-
chen die Ansicht festzuhalten feyn, daß sie ursprünglich ganz
und allein auf religiöse Gegenstände und Darstellungen der
Götter - nnd Heldensage beschränkt war. Noch zu den Zei-
ten des Phidias ward es dem großen Künstler als Gottlosig-
keit angerechnet, daß er in dem Schilde der Minerva unter
kämpfenden Helden und Amazonen sein eignes und des Peri-
kles Bild angebracht hatte. Wie diese strenge Heiligkeit der
Kunst und der Tempel allmählig aufgehört habe, und die
Kunst aus den Heiligthümern in das Leben übergetreten sei,
ist eine Untersuchung, welche nicht für diesen Ort gehört;
so viel aber wird jeder, welcher den Gang der Plastik unter

*) II appears very distinctly, that on three of these basre-
liefs these figures represent men, and on the fourth women.

Er meinte um den Schoos der angeblichen Männer eine Erhöhung
des Kleides bemerkt zu haben, wie sie durch die natürliche Lage
der männlichen Theile heroorgebracht würde, und bei Frauen nicht
statt finden könnte.
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