Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 161
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III.

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Medea und Die Peliaden.

(Hierzu die Kupfertafel IV.)

Die Marmortafel, deren Zeichnung hier vorliegt, ist 1814
im Hofe der alten französischen Akademie am Corfo zu Rom
bei Gelegenheit der neuen Umpflasterung desselben, nicht tief
unter dem alten Pflaster entdeckt worden. Die rohe Seite
der Tafel war nach oben gekehrt, so daß in dieser Lage die
Figuren gegen eine größere Zerstörung ziemlich gesichert blie-
ben. Indessen hatten sie schon früher stellenweise durch die
Witterung gelitten; doch auch dies ohne wesentliche Ver-
letzung. Das Bild des Ganzen und die Schönheit der Ar-
beit stellt sich dem Auge noch deutlich dar. Auch ist die
Tafel an den Seiten nicht fragmentirt, und es scheint, daß
sie einen Theil von einem umfassendern Kunstwerke machte,
welches friesartig und ununterbrochen in einer Reihe von
Vorstellungen fortlief, ähnlich den Tafeln, welche den Fries
im Innern des Apollotempels zu Phigalia bildeten.

Die Tafel von großkörnigem panschen Marmor mißt an
drei Fuß Höhe; das Relief der Figuren ist sehr flach, und
die Arbeit von einer Zierlichkeit und Vollendung, wie man
dieselbe nur in dem schönsten Alter der griechischen Kunst
denken kann. Das Musterhafte der Arbeit macht aber das
Denkmal nicht allein preiswürdig , sondern auch die Vorstel-
lung, die wir darauf wahrzunehmen glauben — Eine Vor-
stellung , die wir bis jetzt so auf keinem andern Denkmale
in Marmor gefunden. Man sieht jetzt die Tafel in die Hof-
mauer desselben Gebäudes, wo man sie entdeckte, einge-
setzt. *) Meine Freunde, die Gebrüder Riepenhausen,

*) So fand ich die Sache im Jahre 7517. Die Tafel soll aber

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