Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 162
DOI Artikel: 10.11588/diglit.9751.2
DOI Artikel: 10.11588/diglit.9751.3
DOI Artikel: 10.11588/diglit.9751.10
DOI Seite: 10.11588/diglit.9751#0213
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/amalthea1820/0213
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
1Ö2

hatten die Gefälligkeit, vorliegende Zeichnung mit aller
Genauigkeit für mich zu machen.

In der Mitte des Bildes sieht man eine Art Dreifuß,
in den ein Kessel eingelassen ist, mit dessen Zurechtstell
lung eine weibliche Figur, ihn an beiden Henkeln fas-
send, sich beschäftigt. Eine andere zur Seite steht mit
gezogenem Schwerste, dessen Scheide sie in der Linken
hält, in einer Stellung und mit einer Wendung der Augen,
was tiefes Mitgefühl und eine Art von Unentschlossenheit zu
verrathen scheint. Beide werden durch die Gewänder als
Griechinnen bezeichnet. Die mit dem Schwerste trägt über
dem langen Untcrgewand ein kurzes, unter der Brust ge-
gürtetes, Uebergewand, daS sie mit der Linken, worin sie
die Scheide hält, ausgenommen hat, damit zugleich den
Ellenbogen deS rechten ArmeS mit dem Schwerste stützend,
auf den sie den Kopf lehnt. Der andern, die mit dem Zu-
rechtstellen deS Dreifußes beschäftigt ist, fällt daS Unterge-
wand von der rechten Achsel, und entblößt dadurch einen
Theil deS BusenS; auf der linken Achsel nimmt man einen
Theil deS Mantels wahr, der hinten herabfallend, vorn über
der Hüfte vorkommt, und den Körper bis zu Sen Füßen ein-
hüllt. Beide stehen in einfach gescheiteltem, und von hin-
ten aufgeschlagenem Haarschmuck. An den Füßen tragen
sie Sohlen.

Die dritte, diesen gegenüber stehende, weibliche Figur
unterscheidet sich von den andern durch ein eigenes Costum,
woran man sogleich die Fremde — die Nicht - Griechin —
erkennt. Ihr Haupt ist mit einer der Phrygischen ähn-
lichen Mütze bedeckt, deren Ende hinten über die Schultern
fällt. Sie trägt zwei Tuniken übereinander, die untere
mit zugeknöpften Ermeln bis an den Ellbogen, und die
obere, um ein geringes kürzer als die untere, ist über der
Hüfte gegürtet. Auffallend, und sonst in keinem andern

seitdem, wie ich höre, von der Stelle verschwunden seyn. Man konnte
mir aber nicht angebeu, wo man sie hingebracht hat: ob vielleicht in
die neue französische Akademie, oder nach Paris selbst.
loading ...