Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 165
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—-—— IÖ5

Wirklich scheint der Künstler den Gegenstand hier mit
wundervoller Beurtheilung ergriffen zu haben. Mit weni-
gem scheint alles versinnlicht; einerseits die liebevolle Ein-
falt in dem Zurechtstellen des Dreifußes, und der wehmü-
thig muthvolle Entschluß in dem Zaudern mit dem gezogenen
Schwerste, — andrerseits der Vertrauen einflößende Ernst
der schlauen Zauberin mit dem Lebenstopfe: wahrlich nie
hat sich die Idee griechischer Kunst in einem Werke schöner
verherrlichet. —

Von den Peliaden erscheinen hier nur zwei; Hygin
(fab 24.) machet derer fünf namhaft, welche alle an der
liebevoll grausamen That Antheil nahmen. Dasselbe deuten
auch Pausanias (8/ n.) und Ovidius (I. c.) an. Dio-
dor (l e.) nennet drei Schwestern, Alcestis, Amphinome
und Evadne, wovon die erste ihre Hände von der Zerflei-
fchung des Vaters zurückhielt. Nach Palapharus (bist,
increck. c. 41.) war sie aber nicht weniger als die andern
schuldig. Nach Pausanias (1. c.) gab der alte Mahler
Micon, der diesen Gegenstand behandelte, durch seine Bei-
schrift den zwei Theilnehmerinnen die Namen Asteropea und
Antinoe, und scheint also, daß er die Alcestis nicht mit in
die That verflechten wollte. — Hatte unser späterer glypti-
sche Darsteller vielleicht dieselbe Idee von dem alten Micon
entlehnt? —

Alcestis, obwohl unschuldig an dem Blute des Vaters,
scheint indessen nicht immer von den Vorstellungen eines sol-
chen Mythus ausgeschlossen worden zu seyn. Wir müssen
in dieser Beziehung ein anderes Denkmal wieder in Erinne-
rung bringen, was schon Tischbein unter den Hamiltonischen
Vasen (vorn. I. N0.7.) edirt hat. (Siehe laf. 1. fig. g.)
Hier sehen wir die Darstellung desselben Mythus, aber
ohne Medea, und warlich kaum weniger geistreich, als in
der vorigen Darstellung.

Es erschienen hier drei Schwestern. Die eine in der
Mitte, auf der linken Hand die Schale mit dem Schlaf-
trünke, den der Vater vor der Ermordung empfangen soll,
tragend, sieht sich bedenklich und zaudernd, mit der Rech-
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