Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 169
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Zusatz.

Die Bekanntmachung des seitdem sogar wieder verschwunde-
nen Reliefs, die böse Verjüngungstaufe des Pelias vorstellend,
ist ein Verdienst, für welches ich meinem verehrten Freunde
gewiß mit aufrichtiger Zustimmung aller Freunde der bildlichen
Alterthumskunde den besten Dank abstatte. Es ist gar man-
ches daraus zu lernen. Ganz vorzüglich interessirt uns dabei
das Costum, in welchem der verständige Bildner die aus-
ländische Medea (deßwegen bei Griechen nnd Römern
gleichsam vorzugsweise barbara genannt) erscheinen läßt. Daß
sie eine astatische, colchische Ausländerin sei, zeigt zuerst die
hinten herabhängende Mühe oder Tiara, in der sich selbst
das, was man an den phrygischen Paris- und Attisfiguren
und auf mancher Vorstellung des Priamus und andrer bar-
barischen Könige*) erhalten hat, das stumpfe, vorgebeugte
Mühenende (von den italiänischen Alterthumsforschern gewöhn-
lich il corno genannt) sehr deutlich erkennen laßt, finden.
Aber noch weit mehr wird dieß durch den herabhängenden
Oberkleids-Ermel bestimmt, dessen auffallende Aehnlichkeit mit
der langen Nationaltracht der Polen, wo sie in vollem Costum
erscheinen, schon Hirt selbst zu bemerken nicht unterlassen
hat. Ich entsinne mich nicht auf irgend einem Vasengemälde
oder andern unzweideutigen Denkmale aus dem Alterthum die-
sen bloß zum Gebrauch in einzelnen Fällen bestimmten, übri-
gens aber leer von der Schulter herabhängenden Ermel be-
merkt zu haben. Ich erinnere hier an zwei merkwürdige Va-
senabbildungen, auf welchen Medea unbestritten vorgestellt ist.
Zn einer der interessantesten Vasen von Canossa, die Millin
in einer eignen Monographie publizirt hat, **) erscheint die

*) So auf einer Dresdner Vase. S. Vasengemälde in, g.

**) Description des tombeaux de Canosa— par A. L. Millin

(Paris isiö. in gr. Fol.) pl. VII. Da nennt Millin in der Erkla-
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