Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 170
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Kindermordende, wüthende Medea in einer gewaltigen Tiara
und in einem doppelten prächtig geschmückten Leibrock, unter
welchem sie allerdings ein Untergewand mit enganschließenden,
bis an die Handwurzel reichenden Ermeln trägt. Allein das
ist ein lang - ermlichtes Untergewand (tunica manuleata,
jcircsov peipibajToswie es auch sonst im ionisch-weichlichen
Frauencostum oft vorkommt und ganz eigentlich zur alten Thea-
ter-Garderobe gehörte. Auf einer andern Vase in der so
manche Seltenheit darstellenden Vasensammlung von John
Millingen, *) auf welcher Medea in Gegenwart der Venus
und des Eros dem geliebten Jason den colchischen Drachen,
den sie füttert, einschläfern hilft, wird sie bloß durch die Mütze
auf dem Haupte, die Tiara, als Ausländerin kenntlich ge-
macht, hat aber übrigens die Dorische Tracht, in welcher
uns auch die Amazonen häufig erscheinen, wo die ganz ent-
blößten Arme oben bei den Schultern nur durchgesteckt wer-
den. Alles was wir auf diesem Relief erblicken, ist durch diese
leer herabhängenden Ermel als ächt medisch und, weil ja die
Perser auch das medische Costum angenommen hatten, als
persisch charakterisirt, welches nach dem ausdrücklichen Zeugnisse
des Strabo in jener Hauptstelle, wo er die von den Medern
entlehnte persische Tracht Stück vor Stück beschreibt, nach einer
alten Sage (oder Wortspiel) von der Medea selbst dort einge-
führt worden seyn soll. * **)

rung diese Tracht p. 52. le costume Colcliique. Es laßt sich nicht
wohl absehn, worin das eigentlich kolchische bestehn soll. Die Tiara
hat allerdings mehr das scythische, als das phrpgische Ansehen. Sie
ist mehr ausgezackt und noch bauschender, zum Theil auch helmartiger.
Aber wir finden sie auf vielen Amazonenbildern in alten Vasen eben
so gestaltet.

) Peintures antiqueS et inedites de Vases grecs — par I. V.
Millingen pl. VI. Millingen bemerkt dabei S. 16. Le costurae de
Medee est celui des Amazones et des peuples de FAsie.

**) Strabo Xi. p, 797. A. Den ausführlichsten Commentar dazu
gab (des alttn allbelesenen Brissonius Sammlungen tüchtig be-
nutzend) Mongez in seiner Vorlesung »ur les costumes de Feiges
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