Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 173
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Eben diese charakteristische Kleidung der Medea auf den
zwei angeführten Vasen und dem vorligenden Marmor-Relief
erregt in mir jetzt gegründete Zweifel über meine in den
Vasengemälden zur Hamiltonschen Vase, welche verkleinert
auf der IV. Kupfertapfel Fig. 2. wiedergegeben worden ist,
ausgesprochnen Erklärung, daß die dritte Frau auf diesem
Bilde, die mit dem Schwerte, wirklich die Medea sei? Als
ich vor 22 Zähren jene Auslegung niederschrieb, war noch
keines der andern Vasengemälde bekannt, welche die Medea
mit der asiatischen Mühe unter den Griechen vorstellt. Zch
kannte nur die tragische Medea mit dem Schwert, womit sie
ihre Kinder tobtet. Als 7envonrdvos wurde sie bekanntlich
vom Timomachus mit dem Schwert gemalt und in vielen
alten Kunstwerken stets mit dem Schwert in der Hand charak-
terisirt. *) Dieß ist so gewiß, daß sogar davon die tragische
Muse im Alterthum das sogenannte Parazonium oder das
Schwert (abwechselnd mit der Herculeskeule) in die Hände
bekommen hat. **) Denn die Kindermörderin Medea war
lange auf der griechischen Bühne das Trauerspiel par excel-
lence. Da nun auch nach der gewöhnlichen Ueberlieferung
die dritte Peliade Alceste an diesem blutigen Trauerspiel nicht
Theil nahm: so hielt ich mich für berechtigt, in der Schwert-
halterin die Medea zu erkennen. ***) Was ich aber damals

*) Zu den von mir in den Vasengemälden ii, 163. f. ange-
führten Stellen kann noch die Gemme im Stoschischen Cabinet in der
Descripdon von Winckelmann n. 356. p. 84- und in Schlichte-
groll' s Auswahl n.46 gerechnet werden, die man falsch für eine Furie
hielt, da es doch offenbar die Kindermorderin Medea ist. Vergl. ein
spates Denkmal in Millin's Voyage Jans les departements du
midi T. III. pl. 63, 2. mit der Nachricht p. 509.

**) Ich habe dieß weiter ausgeführt in meiner ersten Prolusion

de IVIedea Euripidea cum priscae artis operibus comparata (Wim.

1802,) p. XV. und in einem besondern Aufsatz im N. Teutschen
Merkur vom Jahr 1802.

***) Allerdings zählte die gemeine Sage die fromme Alceste von
jener Schuld los, wie Diodor IV, 52. ausdrücklich versichert. Allein
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