Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 182
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druck der Miene zeigt keine reine Freude an, wohl aber
gemischt mit List und Schadenlust, nicht ohne besondere
Absicht. Sollte er die Astragalen vielleicht entwandt
haben, wie jene Honigscheiben bei Theokrit,*) wofür
ihn der Stachel der Biene tüchtig abstrafte, oder wie er
bei andern Dichtern und Künstlern die Attribute und Waffen
der Götter, oder den Schmuck seiner eigenen Mutter ent-
wendet? **) Aber form? Einem Sterblichen, oder einem
Gotte? —

Doch aus diesen und andern ähnlichen Fragen und
Schwierigkeiten würde man sich schwer herauswickeln
können, wenn nicht diesen schwankenden Vermuthungen
glücklicher Weise einige Stellen der griechischen Schriftsteller
zu Hülse kamen, aus denen deutlich erhellt, daß man sich
hier den Amor in Gesellschaft des kleinen G a-
nymedes mit Knöcheln spielend im Olymp zu
denken habe; ferner, daß die Schlauheit des Ersten die
kindische Unbefangenheit des Letzten überwand, dieser da-
her seines kindischen Reichthums beraubt ward und jener
triumphirend mit der errungenen Beute davon zu gehen
im Begriff sei.

Daß Beide im Olymp oft als Spielkameraden lvon
den Alten gedacht und vorgestellt seyn müssen, lehren uns
auch noch einige andere Kunstdenkmaler, worin Ganymedes
mit Amor auch in andern Verbindungen erscheint. Z. B.
jene vortreffliche Gruppe in der gräflich Pembrockffchen
Sammlung zu Wiltonhouse in England, welche den kleinen

*) Idyll. XIX.

*) Q3 v u n f Analect. Th. II. S. 227. Epigr. Z7. des Philippus
von Theffalonich vergl. mit dem ersten Epigr. von Secundus Thl.
III. S. 5. Antholog. IV, 19,24. wonach Amor den Grazien das Ge-
wand vom Bade weggestohlen und weshalb nicht nur, sondern auch
noch anderer losen Streiche wegen es bei den Pythagoristen des
Aristophon, bei Athen. XIII, 5. gesagt wird, daß er aus dem Him-

mel auf die Erde verstoßen worden und seine Flügel habe an Nike
abgcben müssen.
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