Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 186
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bei einem Dichter, dessen Gelehrsamkeit und Kunst leicht
größer seyn möchten, als seine Dichterkraft; und dessen
Zeitalter sich schon mehr eines geborgten und fremden
Putzes, als eines eigenthümlichen, wahren und schönen
Schmuckes erfreute. Auch merkt man es der ganzen Ver-
bindung an, wie der Dichter hier die Beschreibung eines
Kunstwerkes einfügte, da er nach Beendigung der Schil-
derung, sich nun plötzlich seines eigenen poetischen Rechts
bewußt, den armen Ganymedes, gleichsam als eine jetzt
müßige Person in dem kleinen Drama, mir nichts, dir
nichts und wirklich etwas unhöflich gegen die drei größten
aller Göttinnen von der Bühne mit den Worten entfernt:

—' und merkte

Kypris die nahende nicht. —

Aber ohne Zweifel, um auf die dritte der hierhergc-
hörenden Stellen zu kommen, zeigt sich der jüngere P h i-
losiratus in seinen Bildern und zwar im achten,
das den Titel führt: dieSpielenden (dB-vgovreg') *)
als einen sklavisch treuen Nachahmer des Apollonius, in-
dem er uns in seinem Bilde nicht nur beide spielende
Knaben mahlt, sondern auch, wie Apollonius im Zusam-
menhänge seines Gedichts, die drei Göttinnen zeigt, was
an und vor sich in dem Gemälde zwar nicht unschicklich
wäre, aber doch so unbedachtsam, daß er das, was der
Dichter zufolge seiner Kunst uns im Fortgange seiner Er-
zählung bei dem Wechsel der Handlung und der Zeit
nacheinander zeigte, uns nebeneinander auf der Tafel sehen
läßt, wie er cs übrigens in seinen Gemälden oft thut.
Man müßte denn etwa den schwatzhaften Sophisten damit
entschuldigen wollen, was kaum möglich ist, daß er ge-
wollt habe, man solle sich die ganze Geschichte auf meh-
reren einzelnen Feldern seiner Tafel vom Künstler gemalt
denken. Doch dieß geht uns hier nicht näher an; inso-
fern aber der Anfang seiner Beschreibung hierher gehört

) EtUt. Olear. p, Q72.
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