Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 192
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]izontes yennt und die in Rom im Atrium des Kaisers Titus
standen, eins der vollendetsten Werke nach dem Urtheile vie-
ler. Aber ich begreife nicht, wenn dieß seine Richtigkeit
haben soll, wie mit dieser Behauptung die Nachrichten der
Schriftsteller und andere Gründe über den sich zwar durch
eine große Würde und Quadratur, aber auch durch eine ge-
wisse Strenge auszeichnenden Sty! dieses Künstlers, bei noch
nicht erfundener Grazie, vereinigen laßt. Denn gerade in
unserem Werke ist die Kunstvollkommenheit des Styls mit
so viel ßümzie und Liebreiz vermahlt, daß sie sich eben da-
durch sehr weit von Polyklets noch strengem und trocknen
Styl entfernt, ja uns vielmehr zu glauben nöthigt, daß
das Werk, von dem alle übrigen abstammcn, von einem
vortrefflichen Künstler einer viel spateren Zeit zuerst zu
Stande gebracht sei, nicht unwerth des Genies eines Praxi-
teles , oder vielmehr Lysipps, wenn es nur von einem und
dem andern erwiesen werden könnte, daß er der Erfinder
desselben gewesen wäre. *) Damit wollen wir indessen nicht

*) Daß die Darstellung unsers Gegenstandes von irgend einem
vortrefflichen und berühmten Künstler im Alterthume seinen Ursprung
ableite, geben schon die mehrfachen Vorstellungen desselben als Ko-
pieen zu erkennen. Ein gleicher einzelner Amor wie der zu Charlot-
tenburg soll auch in Rom im Museo ciementino stehen. Auch die
Steinschneider kopirten die berühmte Gruppe. Ein Beispiel dieser
Art ist auf einem Granate, von eines griechischen Künstlers Hand
geschnitten, dessen Beschreibung und Abbildung das 1809 in 4to zu
Rom erschienene Werk enthält unter dem Titel: Gemme antiche
■per la piu parte inedite, mit XXXII Kupfertafeln, herausgegeben
von Pietro Vicemio Nolano. Die Beschreibung desselben in den Er-
ganzungsblattern zur Jen. allg. Litt. Zeit. Nr. 60. i8l5. S. 92. lau-
tet also: ,.6) Granat; Schöne griechische Arbeit. Eros und Gany-
medes mit Astragalen spielend, ziemlich übereinstimmend mit der
Beschreibung des Apollonius Rhod. III. 114. vergl. Philostratus
]un. Icon. g. Warum die a<lTpayii\iE.ov7es vom Polyklet bei Pli-
nius gerade diese beiden Götter gewesen seyn sollen, ist nicht abzu-
sehen." —
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