Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 201
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befremdendes, wenn wir zu Zankle, dem Zeugnisse seiner
Münzen zu folge, Spuren äolischer Aussprache finden 9).

lieber den Ursprung des alten Rahmens der Stadt,
welcher eine Sichel bedeutet, sind die Meinungen der
Alten verschieden; doch kann man nicht zweifeln, daß
diejenige das Wahre berichten, die ihn auf die natürliche
Beschaffenheit des gekrümmten Ufers zurückführen. Andern
ist ein Erdgebohrner Zanklus Gründer der Stadt und Urhe^
ber ihres Rahmens; und nachdem man sich einmal in Fabeln
verlohren hatte, glaubte man sie noch höher zu ehren,
wenn man ihren Boden zum Bewahrer jener Hippe machte,
mit welcher Kronos seinen Vater verstümmelt haben soll 10)♦
Die Beschaffenheit des Ufers, welches einen natürlichen
Hafen bildet, M) scheint die Wahl des Bildes unsrer Münze
bestimmt zu haben. Alle Drachmen von Zankle zeigen auf

9) Noch weniger darf man mit Pelerin Recueil T. III. p. 102.
wegen der Inschrift, die er für Oskifch erklärt, die Münzen von
Zankle den Campanischen Mamertinern beilegen, die sich um das
Jahr 475. nach Roms Erbauung (277 Jahre vor Chr. Geb.) der
Stadt Meffana bemächtigt haben. Es ist nicht die mindeste Wahr-
scheinlichkeit vorhanden, daß diese neuen Einwohner der Stadt den
alten, seit zwei Jahrhunderten außer Gebrauch gekommenen Nah-
men derselben wieder hervorgesucht haben sollten; so wie sich auch
gar nicht begreifen laßt, warum sie jenen Drachmen ein Gepräge
gegeben hatten, das von dem der entschieden Mamertinischen Mün-
zen so außerordentlich abweicht. Den letztern Grund hat Eckhel mit
allem Rechte gegen Pelerin geltend gemacht.

10) Stephan. Byz. in Zäyx'A.T], aus der Periegesis QEvpdcurtj')
des Milesischen Hekataus, aus welchem vielleicht Diodorus
L. IV. 83- geschöpft hat. Aber mehrere Städte, auch Drepanum
QzJpirravov') stritten um den Besitz der Hippe des Kronos. S. Ler-
vius zu Virgil. Aen. III. 707. Schol. zum Lycophron. v. 762. Die
Stellen der Alten, welche die sichelförmige Gestalt des Ufers, an wel-
chem Messina liegt, bezeugen S. bei (Uuveriu, p.82.

11) Dieser Hafen wird durch Felsen und einen mächtigen Molo
geschützt, der ein Werk des Orion genannt wird. S. Diodor. IV. 85*
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