Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 210
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jeder bedeutenden Sammlung. Sie sind theils mit der Hand
modellier, theils in einer Form abgedrückt. Zu den ersten
gehören die Statuen des Aesculapius und der Hygea in Le-
bensgröße im Museum zu Portici. Zu der zweiten Art ge-
hören vorzüglich Werke in erhabener Arbeit, größtentheils
fiach gehalten, aber von einer Bestimmtheit und Nettigkeit,
welche die Hand dem Thone bey dem Modelliren kaum geben
kann. Die Formen dazu scheinen von erzenen und marmor-
nen Bildwerken entnommen zu seyn. Für größere Stand-
bilder war das Abdrücken in einer Form schwieriger. Man
bemerkt bey diesen Reliefabdrücken, daß der Thon gewöhn-
lich nicht so fein ist, wie der, den man zum Modelliren ge-
braucht^ sondern er ist, wie die gebrannten Mauersteine,
mit grobem Sande gemischt, um den Werken mehr Körper
und Dauer zu geben. Nur bey ganz kleinen Abdrücken, wie
auf Lampen und Gefäßen, gebrauchte man feinen und reinen
Thon. Die Relieftafeln sind nur von mäßigem Umfang, und
haben gewöhnlich die Gestalt großer Ziegel von vier bis fünf
Querhänden in's Gevierte. Oft trist man sie mit Nummern
bezeichnet, und mit Löchern an den vier Ecken. Denn da
man sie zu Wandmrrungen, Friesen, und zur Zierde der
Giebelfelder gebrauchte, und so die einzelnen Stücke in einer
gewissen Folge neben und über einander eingesetzt wurden;
so war das Nummeriren der Tafeln nöthig, um sich bei
ihrer Einsetzung nicht zu vergreifen, die Löcher aber waren,
um jede Tafel desto sicherer mit Nägeln anzuhesten.

§ 4. Die Bildwerke in gebranntem Thon wurden un-
geachtet des geringen Materials nicht selten in sehr hohem
Werth gehalten. Plutarch (Apophthegm. p. 174.) ge-
denkt sehr schöner Gefäße dieser Art, die mit Reliefs verziert
dem Cotys, Könige von Thracien, als etwas vorzügliches
verehrt wurden; und Strabo (8, p- 38i.) spricht von
andern, die bei dem Wiedererbau von Corinth in den
Gräbern gefunden, und zu Rom um hohe Preise verkauft
wurden. In Rom waren bis spät die Auszierungen der
Tempel hauptsächlich Thongebilde, und in dem Zeitalter
des Plinius (35, 46) sah man Götterbilder dieser Art
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