Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 218
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plastischen Werken spricht, kommt keine Nachricht und kein
Umstand vor, welche vermuthen lassen, daß die Plastik bei
den Griechen einen ftühern Ursprung hatte, als den Plinius
durch Dibutades erwähnt.

Wie früh man das Wachs in der Bildkunst anwandte,
wird nicht gesagt; aber natürlich ist dessen Gebrauch so alt,
als die Kunst selbst. Die Mythographen lassen schon den
Dadalus das Wachs zur Bildung der Flügel gebrauchen,
womit er und sein Sohn aus Creta entfliehen wollten (Diod.
4, 77.). Auch wissen wir nichts Sicheres über den Anfang
von dem Gebrauche des Gipses in der Bildkunst bei den
Griechen. Gewiß ist cs, daß man diesen Stoff bereits im
Zeitalter des Phidias und vor dem peloponnesischen Kriege
zu Vorbildern anwandte (Paus. 1, 40.).

Abschnitt II.

D i e Bildschnitzer ei.

§. 1. Die Bildschnitzerei bedienet sich festerer Stoffe,
als die Plastik, und daher auch härterer , schärferer und ge-
waltsamerer Werkzeuge. Die Stoffe des Bildschnitzers sind
hauptsächlich das Holz und das Elfenbein.

Die Menge der Holzarten zu Bildwerken, wovon wir
Anzeige finden, läßt bemerken, daß man nicht immer eine
strenge Auswahl traf. Man wählte einige wegen ihrer län-
ger« Dauer, als die Ceder, die Cypresse, die Weinrebe,
und die Wurzel vom Oelbaum; andere ihrer Dichtheit und
des Glanzes wegen, als das Ebenholz, den Ahorn, den
Citronen - Terebinten - Tax - und Buxbaum; andere, welche
ihrer Weichheit wegen sich leicht schneiden lassen, als die
Linde, die Myrte, den Lotus, das Feigen - und Pfirschen-
holz, den zahmen und wilden Birnbaum; die Palme, die
Pappel, die Korkeiche und Weide, und noch andere, weil
man sie gerade zur Hand hatte, als die Fichte, die Buche,
die Eiche u. s. w. (Ueber die Holzarten zu Bildwerken sehe
man Theophrast. Hist, klaut. 5, 4 — 5. Win. 13, u
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