Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 225
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auch das Hom des Auerochsen durch das Feuer zu erweichen
verstanden (Paus. 5, 12). Es scheint aber nicht, daß sie
irgend einen Gebrauch davon in der Bildkunst machten —
wohl aber sägte man das Horn des Auerochsen in dünne
durchscheinende Blatter, die man statt des Glases in die La-
ternen einsetzte. Auch ritzte man Figuren in Umrissen dar-
auf ein, und brauchte solche Stücke zu den aufgelegten Ar-
beiten mit einer Folie darunter. Allein diese Art von Zier-
den gehört mehr zur Mahlerei, als zur Bildkunst (Plin.
11, 450

Abschnitt III.

D i e Bildhauerei.

§. i. Die Bildkunst in Stein, oder die eigentliche
Bildhauerei, liefert die meisten und vorzüglichsten Denkmä-
ler, obwohl im Alterthum die Bildung der verschiedenen
Metalle kaum weniger im Gebrauch gewesen ist. Der Stein-
arten, in denen die Kunst ihre Werke, sowohl Statuen, als
Reliefs, aufstellte, giebt es sehr viele. Wirtrennen sie in
drei Gattungen: weiche, mittelharte und harte.

Unsere Absicht ist indessen nicht, weder alle Steinarten,
aus denen man ehedem Bildwerke verfertigte, zu nennen,
noch dieselben irgend nach einem lithologischen Systeme auf-
zuführen. Hierüber haben kenntnißreiche Männer in der
Steinkunde, wie Wad, Dolomieu und andere viel zusam-
mengetragen und berichtigt. Ich bediene mich hauptsächlich
der artistischen Benennungen.

§. 2. Zu der Gattung der weichen'Steinarten zähle
ich: i. die weißlichen Kalktuffe, wovon ich, außer einigen
großem Stücken von ägyptischer Kunst im Museo Borgia
zu Velletri, nur die kleinen Reliefarbeiten, bekannt unter
dem Namen der tabula Iliaca int Museo Capitolino,
kenne. Kleinere Fragmente kommen jedoch auch in andern
Sammlungen vor, worunter ein Stück mit der Figur eines
sitzenden Philosophen oder Dichters in der K. preuß. Kunst-

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