Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 235
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Dioscorides (2, 166.) spricht auch vom Smergel als
einem Schleifmaterial, den hauptsächlich die Gemmenschnei-
der gebrauchten.

tz. 8. Wir gaben an, daß man plastische und hölzerne
Bildwerke mit Farben anzustreichcn pflegte. Dieser Gewohn-
heit Statuen gefärbt zu sehen, muß man es zuschreiben,
wenn man die Färbung in früherer Zeit auch auf den
Marmor übertrug. Eine Diana in Marmor zu Portici,
an welcher die Farben sich erhalten haben, giebt hievon
den augenscheinlichen Beweis. *)

Eine andere Gewohnheit war, die nackten Theile von
einem, und das Gewand von einem andern Material zu
machen. Der Marmor diente in solchen Fällen zu den
nackten Theilen, und so ward er mit Gewandstatuen von
Holz, von Metall, oder von farbigen Steinarten, als
Porphyr und ägyptischen Bröck'elsteine gepaart. Dieser
Geschmack am Bunten verlor sich bei den Alten nie, obwohl
Bildwerke von derselben Art Erz, oder von derselben Mar-
morart die Regel waren.

Dieser Liebe zum Vielfarbigen muß man es auch zuschrei-
ben, daß man den erzenen und marmornen Statuen Augapfel
von Edelsteinen, Glas, Silber und Onyx einsetzte, daß man
denselben goldne Armbänder, Ohrgehänge, Kränze, Dia-
deme und Stralen von anderem Material gab; daß man an
erzenen Statuen die Lippen vergoldete, und die Nägel der
Finger mit Silberblättchen belegte; der andern Attribute, die
von dem Hauptmaterial der Statuen verschieden waren, nicht
zu gedenken.

§. 9. Nach dem Abreiben und Glätten der Bildsäulen
in Marmor — wobei man aber nicht an das Glanzschleifen
denken muß, denn dies scheint nur spat und selten statt ge-

*) Ein gleiches hat sich seitdem auch an den in Aegina entdeckten
Bildwerken, die der Kronprinz von Baiern an sich brachte, gezeigt —
Werke, welche in das Zeitalter des Phidias gehören. Man sehe
hierüber, was von Schelling und mir hierüber publizirt ist —
meinen Aufsatz in dem zten Hefte der Analekten von F. A. W 0 l f.
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