Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 237
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Nach diesen Stellen scheint das Befirnissen der nackten
Statuen in Marmor sehr allgemein gewesen zu seyn. Da
indessen ein solcher Firniß nur sehr dünn gegeben ward, so
darf man sich nicht wundern, wenn wir hievon die Spuren
in den Monumenten nicht mehr wahrzunehmen vermögend
sind. Ein einziger Kopf von der Antonia major, bei
Ostia gefunden, und im Palaste Chigi aufbewahrt, ist das
einzige Denkmal, der seinen Wachsfirniß erhalten zu haben
scheint. Der Kopf hat ein gelbliches, fast wächsernes Anse-
hen, was dem Gesichte ungemein viel Weiches giebt. *)

§. io. Wir fügen noch ein Wort über das Colossale in
Marmorwerken bei. Colossen aus Stein scheint besonders
Aegypten geliebt zu haben, aber nicht in Marmor, sondern
in Granit und Basanit, so wie auch in Kalk - und Sand-
stein. Dies bezeugt nicht nur in mehrern Stellen Herodot,
sondern auch die Ueberreste. Bei den Griechen und Römern
waren die Colossen mehr in Gold und Elfenbein, die größten
aber in Erz, wie die Sonnencolosse zu Rhodus und zu Rom.
Indessen gab es auch bedeutende Massen in Marmor, wie
die Dioscuren auf Monte Cavallo, und die beiden andern
am Vorplatze des Kapitols. Fragmente von Füßen und an-
dern Theilen im Hofe des Palastes der Confervatoren zeigen
aber^-daß.es deren noch größere gab. Doch waren sie ohne
Zweifel seltener. Große Massen in Marmor finden fich in
den Brüchen nicht leicht; dazu kommt die Schwierigkeit des
Transportes und das Aufstellen, das nicht ohne mächtige
Seitenstützen bei großen Colossen geschehen kann. Zwar
hätte man sich durch das Zusammenfetzen helfen können, wor-
an sich, wie es scheint, die Alten weniger stießen, als die
Neuern. Man findet nicht blos die Köpfe, sondern auch
die Rümpfe und die Beine besonders gearbeitet; und «och
geringere Bedenken verursachte das Ansetzen der Arme. Nur

*) Ich bedauere/ diesen Kopf bei meiner letzten Reise im Jahre
1317. nicht mehr getroffen zu haben, ohne zu erfahren, wo er hinge-
kommen ist. Sollte er unter den Monumenten zu München sich be-
finden? —
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