Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 243
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Heile sehr verschieden aus den Bergwerken gewonnen wur-
den. Drittens auch nach der Scheidung und Reinigung der
heterogenen Theile unterschied man doch noch bessere und
schlechtere Kupfererze; und viertens ist es mit den Metallen,
welche man zur Mischung der Kupfererze gebrauchte, auch
nicht ganz klar.

In Rücksicht des Zinnes, welches die Griechen Cassite-
ros, und die Römer Plumbum album — Weißblei —
nannten, darf indessen kein Zweifel mehr obwalten (Plin.
34, 47.). Eben so verhalt es sich mit dem eigentlichen
Blei, welches die Römer, um es vom Zinn — Plumbum
album— zu unterscheiden, Schwarzblei — Plumbum
nigrum — nannten. Es ward, sagt Plinius (1. c.) theils
für sich allein gegraben, theils fand es sich mit den Silber-
stufen vermischt. Brachte man diese nun zur Scheidung, so
ward das erste, was aus dem Ofen floß, Stannum ge-
nannt, der zweite Fluß war das Silber. Der Rücksatz hieß
die Galena, und diese wieder in Fluß gesetzt, gab das
eigentliche (schwarze) Blei.

Starmum ward von den Neuern lange für Zinn genom-
men. Allein nach dieser Hauptstelle im Plinius geschah dies
fälschlich. Denn erstlich ist nicht bekannt, daß das Zinn in
den Bergwerken je mit Silber vermischt vorkomme, und zwei-
tens sagt Plinius (34,43.) selbst, daß das Starmum
dadurch verfälscht wurde, daß man ein Drittel Weißerz
(Aes candidum) mit dem Zinn (Plumbum album)
mischte; auch dadurch, daß man das Zinn und das Blei zu
gleichen Theilen mit einander mischte: was einige zur Zeit
des Plinius Silberblei zu benennen anfingen.

Einige Neuere (Beckmann's Erfind. B. 4. S.
336.) haben daher angegeben, daß das Starmum des
Plinius das Werk unserer Silberhüttcn sei, nämlich ein
Gemisch von Silber und Blei. Das einzige Auffallende,
und so viel ich weiß, noch nicht Erklärte dabei ist: daß die
Alten mit dem Stannum die erzenen Gefäße überzogen, so
wie wir dieselben jetzt mit dem Zinn zu überziehen pflegen,
was im eigentlichen Sprachgebrauch daher das Verzinnen
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