Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 245
DOI Heft: 10.11588/diglit.9751.15
DOI Artikel: 10.11588/diglit.9751.16
DOI Seite: 10.11588/diglit.9751#0298
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/amalthea1820/0298
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
245

müssen wir umständlicher seyn, um den Mißverständnissen zu
entgehen, welche, wie es scheint, schon bei den Alten hier-
wegen herrschten. Nach Plinius (34, Z.) war die Mei-
nung und Sage, daß bei der Zerstörung von Corinth durch
Memmius (Ol. 153. und von Rom 603.) bei dem Zusam-
menschmelzen der edeln und unedeln Metalle neue Erze ent-
standen wären, welche man des Ortes wegen, wo dies statt
fand, Corinrhische Erze nannte. Hierin unterschied man
drei Gattungen: erstlich die weiße, die sich durch ihren
Glanz dem Silber näherte,, indem die Hauptmasse aus Sil-
ber bestand; die andere war die, wo die gelbliche Farbe
des Goldes vorstach, und die dritte zeigte eine Mischung
aller Metalle zu ähnlichen Theilen. Von diesen drei Metall-
gattungen verfertigte man aber keine Bildwerke, sondern sie
dienten einzig für Gefäße, Tafelgeräthschaften, für Leuchter,
Lampen und anderes Geschirr, worauf die Eleganten Roms
(elegantiores isti) einen großen Werth legten.

Aber es gab lange vor der Zerstörung von Corinth ein
statuarisches Erz, welches von der Stadt die Benennung
führte, und in der schönsten Zeit der Kunst vorzugsweise ge-
braucht worden zu seyn scheint. Wann es aufkam, und
welcher Künstler es zuerst gebrauchte, ist nicht bekannt. In-
dessen scheint es das jüngere der drei statuarischen Erze zu
seyn, und erst nach dem Delischen und Aeginetischen Gebrauch
und Ansehen erhalten zu haben. Wahrscheinlich kannten es
Phidias, Polycletus und Myron noch nicht. So viel sehen
wir, daß es vor Alexander im Gange war. Dieser König
führte auf seinen Feldzügen einige Statuen aus Corinthischem
Erze mit sich zur Stützung feines Zeltes. Diese kamen spä-
ter nach Rom, wovon zwei vor dem Tempel des Mars
ultor, und zwei vor der Pxegia geweiht wurden. Auch
Nero schleppte auf seinen Reisen die Statue einer Amazone
mit sich (Plin. 34, 13.), die Strongylion hieß, und der
Schönheit der Kniee wegen den Beinamen Eucnemos hatte.
Dieses Werk war aber von Silanion, der in der 114. Ol.
mit Lysippus blühte (Plin. 34, 19. u. ib. p. 21O* Auch
M. Brutus besaß von demselben Meister die Statue eines
loading ...