Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 248
DOI Heft: 10.11588/diglit.9751.15
DOI Artikel: 10.11588/diglit.9751.16
DOI Seite: 10.11588/diglit.9751#0301
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/amalthea1820/0301
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
248

Nähme man die Bleche zu dünn, so würde man Gefahr lau-
fen , daß das Metall bei dem Treiben Risse bekäme. Dazu
ist das Weiche und die leichte Dehnbarkeit der Metalle ein
Haupterforderniß. Gold und Silber, und auch das Kupfer
lassen sich in ihrem reinen Zustande leicht schmieden, und also
auch mit dem Bunzen treiben. Aber das Kupfer, durch die
Beimischung anderer Metalle zu Erz umgewandelt, muß für
die Treibkunst jene Weichheit und leichte Dehnbarkeit beibe-
halten. Nach Plinius (34, 20.) war die für das Treiben
zarteste Mischung, wenn man zum Kupfer je ein Zehntel
Blei und ein Zwanzigtel Silberblei hinzuthat. Die Mischung
erhielt dann jene Farbe, welche man die griechisch-ähnliche
(color graecanicus ) nannte. Ob die Alten auch Bild-
werke in Eisenblechen trieben, ist uns nicht bekannt.

Daß die Alten in Gold trieben, bezeuget Strabo (3.
p. 3780/ welcher ausdrücklich die goldene Statue des Ju-
piter, welche die Cypseliden in Olympia weihten, als ein
mit dem Hammer gearbeitetes Werk angiebt; und dies ist
das älteste Triebwerk, welches uns von den Griechen be-
kannt ist. Ueberhaupt sind wir der Meinung, daß alle
Kunstwerke in Gold bei den Alten in der Regel nicht gegos-
sene, sondern mit dem Hammer getriebene Arbeiten waren.
Diese Vermuthung kommt uns nicht blos daher, weil sich
das Material seiner Geschmeidigkeit wegen vorzüglich zu
Triebwerken eignet, sondern auch durch die Andeutung sol-
cher Umstände, die sich allein bei einer solchen Technik gut
denken lassen. Wir sehen nämlich, daß bei den großen
Tempelstatuen sich das Gold theilweise abnehmen ließ, ohne
das übrige zu beschädigen, und die abgenommenen Gold-
theile sich durch ein weniger kostbares Material ersetzen ließen.
Dies war der Fall mit der goldenen Minerva des Phidias
in Athen (Plutarch. in Pericl. c. 31.), mit dem Jupiter
Olympius zu Syrakus, und dem Aesculapius zu Epidaurus
(Val. Max. i, i. ext. 8. 3.). Ferner sagt Pausanias
(5, 11.), daß der Mantel des Jupiter zu Olympia mit
verschiedenen Thieren und Blumenwerken verziert war: eine
Arbeit, die'sich bei dem Treiben leicht denken laßt, aber im
loading ...