Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 256
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schinen bedarf, daß die Senkgrube und der Schmelzofen nur
geringe Räume bedürfen. Ferner können sich mehrere Arbei-
ter zugleich befchäftigen, und so sicher und schnell ein Werk
fördern. Man spart durch ein solches stückweise Gießen
nicht nur Zeit und große Unkosten, sondern das Werk lauft
auch geringere Gefahr des Mißlingens, und der Meister
bleibt versichert, daß sein Modell durch den Guß rein darge-
stellt werde. * **))

Die Art, die Formen für den Erzguß zu machen, haben
wir aus den Erfahrungen der Neuern gezogen, mit der
Ueberzeugung, daß das Verfahren der Alten in keinem we-
sentlichen Stück hievon abwich. Was aber für die Neuern
besonders empfehlenswerth scheint, ist nach dem Beispiel der
Alten erstlich das theilweise Gießen eines Kunstwerkes , und
zweitens geprüfte Versuche über die Erzmischungen in Bezie-
hung auf das Schöne und Gefällige der Farbe. * *)

*) Man spricht seit lange von zwei zu errichtenden Denkmälern,
das eine für Friedrich II., das andere für Martin Luther. Man
lasse sich gefallen, beide nach der Art der Alten zu gießen; man wird
sparen, und die Kunstwerke werden dabei gewinnen. Der Versuch
werde zuerst mit der Bildsäule Luthers gemacht; und ist die Ver-
fahrungsweise erprobt, übernehme man das größere Werk, die
Statue zu Pferd, für Friedrich den Großen.

Spätere Anmerkung. Diese Wünsche und Vorschläge sind
seitdem zum Theil in Erfüllung gegangen. Blüchers Denkmal in
einem Standbilde von neun Fuß ist bereits theilweise gegossen wor-
den; und auch Luther steht bereits theilweise im Gusse da und erwar-
tet die Vollendung. Anderes wird von Anderen vorbereitet. — Nur
hat man bei den beiden genannten Denkmälern die Sandform nach
Art der Franzosen vorgezogen; ein Verfahren, welches ich nicht bil-
ligen kann.

**) Fn Beziehung auf die Schönheit des Erzes kenne ich kein
neueres Werk von einigem Umfange, welches so schön gerathen wäre,
wie die Reiterstatue des großen Kurfürsten hier in Berlin; — ein
Werk des trefflichen Schlüter, welches auch in artistischer Rücksicht
an der Spitze der großen Kunstwerke der Neuern genannt zu werden
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