Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 268
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2.68

und machet beide zu Söhnen des Rhoecus, mit der Anzeige:
beide Brüder waren der Kunst wegen in Aegypten gereiset, und
hatten nach ihrer Rückkunft gemeinsam eine Bildsäule des Py-
thischen Apollo für Samos verfertigt, Telecles die eine Halste
in Samos, und Theodorus die andere Halste in Ephesus; und
beide Halsten hätten bei dem Zusammensetzen auf's genaueste
gepaßt. Dies erreichten sie vermöge der Verhältnißlehre des
menschlichen Körpers, die sie in Aegypten erlernt hatten. Diese
Nachricht schrieb auch Athenagoras ( Legat, pro Christ, c. 14.)
nach, nur daß er den Theodorus zum Milesier machet.

Nach Plinius (34, 19. 8.22.) goß Theodorus, der zu
Samos das Labyrinth erbaute, sich selbst in Erz. — Nach
Herodot (1, 51* und Z, 41.) war Theodorus von Samos
auch Verferriger des silbernen Kraters, den Crösus zu Delphi
weihte, und Schneider des Siegelringes für Polycrates. Fer-
ner verfertigte er nach Athenäus ( 12, 3.) den goldenen Krater,
den die Könige von Persien besaßen.

Noch glaube ich unfern Künstler in einer andern Stelle
des Plinius zu finden. Er redet von den Labyrinthen, sagend:
daß es deren vier gebe, das ägyptische, kretische, lemnische und
italische. Dann sagt er insbesondere von dem zu Lemnos (36,
19. 8. 2 — 3.): „es zeichne sich vor den andern aus durch 150
Säulen, deren Schafte in der Werkstatt so im Gleichgewicht
hiengen, daß sie durch das Umtreiben Eines Knaben gedreht
werden konnten. Die Architekten waren Zmilus, Rhodus
(Rholus) und Theodorus, ein Eingeborner." Nun habe ich
großen Verdacht, daß das in den gedachten zwei Stellen vor-
kommende Wort — Lemnius — falsch sei, und dafür Samius
stehen müsse. Den Grund hiezu giebt Plinius (34,19. 8.22.)
selbst. Er sagt: es gebe nur vier Labyrinthe; und hier spricht
er von dem zu Samos, welches Theodorus erbaute, der sich
selbst so ähnltch in Erz goß. Dies wäre also ein fünftes; und
von zwei, dem lemnrschen und samischen, wäre der Baumeister
Ein Theodorus. Hier steckt also offenbar ein Zrrthum. Dar-
nach müßten wir zwei Theodorus annehmen, der eine ein ge-
borner Lemnier, und der andre ein geborner Samier, und ein
jeder Architekt eines vaterländischen Labyrinthes. Von solchen
Bauen spricht aber kein anderer Alter, eben so wenig als von
zwei Theodorus, als Architekten. Nun ist uns aber Thcodo-
rus von Samos vielfach bekannt, ein Lemnier dieses Namens
aber gar nicht. Wie natürlich ist es also, daß wir diesen für
jenen aufgeben, und daß wir in jenen gedachten zwei Stellen,
das lemnische Labyrinth betreffend, statt Lemnius das Wort
Samius lesen. — Daß unsere Forderung gegründet sei, giebt
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