Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 277
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jedoch von einem zu großen ihr nicht angehörigen Kopf sehr
entstellt. Kühn darf man zu behaupten wagen, diese beiden
Figuren seien zu Florenz unrichtig aufgestellt, sonach auch
die mitgctheilte Abbildung nicht von der Seite gezeichnet,
von welcher der alte Künstler sein Werk wollte angesehen
wissen, nämlich vom Rücken her; das jetzt hinter einem Fel-
sen verborgene rechte Bein sollte sichtbar seyn, der Schenkel
in Verkürzung erscheinen. Eben darum ist an der für Ori-
ginal zu haltenden Figur die Seite des Rückens fleißiger als
die Vorderseite ausgeführt. Außer einigen Restaurationen
und dem gedachten fremden Kopf wird dieses ursprünglich
edle Werk auch noch durch überarbeitete Stellen verunziert.

Die auf der Kupfertafel abgebildete Figur, antike Copie
von der vorigen, hat den ihr zugehörenden Kopf, an dem-
selben aber so wie an den übrigen Gliedern dürften aufmerk-
same Beobachter leicht mehrere Restaurationen wahrnehmen,
als die florentinischen Ausleger des Werks angegeben haben.

Ta f. VIII. stellt wieder eine weibliche Statue dar,
welche die Ausleger für eine Tochter der Niobe erkennen,
doch, weil sie den besten Figuren aus dieser Familie nicht
gleichzuschätzen sei, nur für eine antike Copie halten wollen.
Wer indessen genauere Untersuchungen über das Werk anzu-
stellen Gelegenheit hat, wird gar bald zur Ueberzeugung ge-
langen, dasselbe gehöre gar nicht zur Familie der Niobe,
sondern sei eine Muse vom spätem gefälligen Styl, ihre
Geberde deutet Tanz an und keineswegs Furcht oder das
Bestreben zu entfliehen. Die an dieser Statue befindlichen
Ergänzungen sind von den Auslegern nicht richtig angegeben.
Es verhält sich damit wie folgt. Der linke Arm von der
Schulter an und der rechte Vorderarm samt der Hand sind
ganz neu, desgleichen der Hals, und an dem reizenden Kopf
mit fröhlichem Ausdruck die Nase. Beschädigungen haben
erlitten die Stirne, das linke Auge, die linke Wange und
beide Lippen.

Auf der IX. Tafel erblickt man die Abbildung des älte-
sten Sohns der Niobe, welchem der Text vieles Lob ertheilt,
und allerdings gegründetes, denn er ist in der That ein
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