Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 295
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««gezeigt und verbessert werden sollen. Obgleich es Vis-
conti's erste Arbeiten sind , so enthalten diese ersten Bande
dennoch das Beste von allem, was er geschrieben, und diese
werden ihm jederzeit eine vorzügliche Stelle unter den Ausle-
gern des Alterthums sichern. In ihnen findet man die muster-
haften Untersuchungen über die schönsten bis auf uns gekom-
menen Bildsäulen des Alterthums; Viscontis Scharfsinn
und Gelehrsamkeit vergleicht sie mit den Nachrichten, die über
die Werke der größten griechischen Künstler alte Schriftsteller
uns aufbehalten haben, und es ist sehr zu bedauern, daß
Visconti sie nicht von neuem durchgesehen hat. Die Bande,
welche die alten Brustbilder in sich fassen, harten einer ganz
neuen Vergleichung mit dem Marmor bedurft, weil das.
Museum Pio Clementinum, wenn man die vortrefflichen colos-
salen Brustbilder, die es schmücken, ausnimmt, in Hinsicht
der alten Bildnisse der bewundernswerthen Sammlung auf
dem Capitol gar sehr nachstehet und eine Menge schlechter
Werke enthalt, welche nur selten als Beweise aufgestellt wer-
den dürfen. Aus dieser Folge von Brustbildern würde man
wohl thun, eine große Anzahl ganz wegzulassen. Aber noch
weit mehr müssen einer sorgfältigen Durchsicht unterworfen
werden die Bande, welche die erhobenen Arbeiten enthalten.
Hier ist, mit genauer Zuziehung des Marmors, Vergleichen,
Sichten und Verwerfen am nöthigsten. Wie viele Stücke
befinden sich hier, wo der gewinnsüchtige Fleiß der römi-
schen Scultare, durch Zusammensetzung ganz verschiedener
alter Bruchstücke, die sonderbarsten Vorstellungen zu Tage
förderte, wie z. B. den Strick des Oknus und andere, bei
deren Erklärung die Feder ihren Scharfsinn zeigte. Ein ge-
lehrter, durch die neueste Zeitgeschichte berühmter, Staats-
mann in Hannover besaß vormals, und besitzt wahrscheinlich
noch jetzt, die Bande des Museum Pio Clementinum, welche
diese erhobenen Arbeiten enthalten, wo auf den meisten Kup-
fern die Zusammenfügung fremdartiger Stücke, durch Striche
angegeben ist. Zoega hat dasselbe, theils in seinen gedruck-
ten , theils in seinen bis jetzt noch handschriftlichen Bemer-
kungen, mehrmals angezeigt, und Prof. Welcker erwarb
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