Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 298
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den Sammlungen von Florenz, Rom und Neapel findet;
auch Pirro Ligorio hat dasselbe in einem Bande seiner Hand-
schriften, der auf der königlichen Büchersammlung zu Neapel
sich befindet, unter den neuen Ausgrabungen, gezeichnet.

Eigentlich gehörten die umständlichen Untersuchungen
über das Leben, die Werke und die Lehren der alten Philo-
sophen und Dichter nicht nothwendig in die Iconographie,
und sind nicht viel mehr als Lückenbüßer. Dieses ist nun
der schwächste Theil dieses Buchs. Hier verliert sich Vis-
conti in ein Feld, das ihm wie der Erfolg zeigt, fremd war.
Wir kommen hier auf unsere oben geäußerte Bemerkung und
unfern Wunsch zurück, daß von allen Schriften Visconti's
die Iconographie gerade die einzige ist, welche für Deutsch-
land deutsch bearbeitet werden sollte. In dieser neuen Bear-
beitung würden die alten Bildnisse vorher einer neuen stren-
gen Prüfung unterworfen. Alles was das Leben, die Werke,
und die Lehren der dargestellten Männer betrifft, würde
dabei ganz von neuem ausgearbeitet werden müssen. Diese
von Männern, wie die weimarschen Kunstfreunde, wie
A. W. Schlegel, Welker, Beck u. a. bearbeitete Iconogra-
phie würde- ein wahrer Gewinn für die Wissenschaft seyn.

Was die in Paris erscheinende Fortsetzung der römischen
Iconographie betrifft, so muß man wünschen, daß dazu die gro-
ßen Sammlungen von Brustbildern in Florenz, Rom und Nea-
pel, aber nicht allein die römischen Münzen, zu Rathegezogen,
und uns von recht vielen derselben Abbildungen von vorn und
von der Seite, nach vorzüglichen, von neuem für dieses
Werk zu machenden, Zeichnungen, weil wir so viel als keine
davon besitzen, gegeben werden mögen. So unentbehrlich
und nützlich die Münzen zur Wiedererkennung sind, so wenig
reichen sie zu, um einen vollkommenen Begriff von einem Ge-
sichte zu geben.

In Hinsicht des neuen Abdruckes der kleinern einzeln er-
schienenen Abhandlungen des Visconti, und seiner kurzen
Nachrichten und Aufsätze, von denen viele in Zeitschriften
eingerückt sind, würden die Herausgeber wohlthun, nichts
hinwegzulassen, und sie alle nach der Zcitfolge an einander
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