Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 302
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Marini, welches er dem hochverdienten Morelli in Venedig
in einem Briefe mittheilte, wie mir letzterer, ein Mann,
dessen Glaubwürdigkeit über jeden Zweifel erhaben, versicherte.
Marini erklärte die in beiden Schriften behandelten Kunst-
werke für elende neue Betrügereien. Da des Marini höchst-
wichtiger Briefwechsel mit Morelli, so wie des letzter»
ganzer handschriftlicher sehr lehrreicher Nachlaß, in die
Marcus Bibliothek wahrscheinlich gekommen, so würde sich
dieser Brief sehr leicht auffinden lassen. Auch würden in
Rom, von Gelehrten, wie Hr. Canccllieri, Hr. Caval. de
Rossi, Hr. Lorenzo Re u. a., noch genauere Nachrichten
über die Verfertiger dieser vorgeblichen Kunstschätze zu erhal-
ten seyn. Die Zeit, in der die erwähnten Dinge geschmiedet
wurden, war schon sehr von der des Winkelmann verschie-
den, der Eifer für alte Denkmäler hatte schon angefangen
abzunehmen, und zu unfern Tagen ist er, was wahre Ein-
sichten und Würdigung derselben betrifft, für Italien fast
ganz verschwunden. Das Aufsehen, welches die Gemählde,
durch welche Casanova seinen Freund Winkelmann hintergieng,
erregten, würden die erwähnten musivischen Bilder, und die
Silberarbeiten, hätte damals jemand diesen schändlichen
Betrug öffentlich bekannt gemacht, nicht veranlaßt haben.
Dennoch ist cs die Pflicht jedes Freundes der Wahrheit, bei
der jetzt zu bereitenden neuen Ausgabe aller Schriften des
Visconti, Gelehrte, Künstler und Sammler, auf den Miß-
brauch, den man mit ihrer Leichtgläubigkeit getrieben, auf-
merksam zu machen. Visconti war ein heiterer gefälliger
Mann, der Bekannten und Freunden lobpreisende und
zugleich gelehrt erklärende schriftliche Beschreibungen von Ge-
genständen, zu deren bessern Verkauf das Urtheil dieses
berühmten Mannes viel oder alles beitragen mußte, nicht
versagte. Millin bemerkt *) über diese Beglaubigungsschrei-
ben folgendes: tout le monde recherchoit les avis de
Mr. Visconti; celui qui possedoit un monument
curieux crayoit avec raison en augmenter sinon le

*) Annal. Encyclop. L*C. p. 14g.
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