Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 313
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dadurch zu empfehlen. Doch war dieß das wenigste; und
man glaube nicht etwa, daß er sein Museum umsonst gesamt
melt habe. Er hing daran mit ganzer Seele; es war seine
Liebhaberei, wenn man diesen Ausdruck im edelsten Sinne
nehmen will. Denn ich habe noch Niemand gekannt, der
in einem solchen Grade wie der Cardinal Borgia von reinem
und uneigennützigem Eifer für Litteratur und Kunst beseelt
gewesen wäre. In seinen glücklichen Tagen suchte er in
ihnen feine Erholung; und als harte Schicksale den Greis
trafen, als er in der Verbannung in Padua schmachtete,
fand er in ihnen und in der Religion den Trost, dessen Er
bedurfte. Seine eignen alterthümlichen Kenntnisse waren,
in Vergleich mit mehrern neuern gelehrten Antiquaren, aller-
dings beschränkt. Er hatte keinen solchen gebildeten Jugend-
unterricht genossen wie diese; er hatte sich durch sich selber
bilden müssen. Aber ausgewachsen in der Mitte der Denk-
mäler Roms, hatte der tägliche Anblick ihm eine Menge
anschaulicher Kenntnisse verschafft; dazu kam der Umgang
mit unterrichteten Fremden, die er mehr wie irgend ein an-
derer Römer liebte und benutzte. Unter diesen vor Allen
der mit Zoega, seinem täglichen Gesellschafter und seinem
vornehmsten Rathgeber *) bei der Vermehrung seines Musei.
Ohne Zoega's Gutachten ward nichts von Erheblichkeit von
ihm erstanden, und der Rath dieses gebildeten Alterthums-
kenners sicherte ihn vor den in Italien so häufigen antiquari-
schen Betrügereien; wie er denn auch mit Recht darauf einen
großen Werth legte , daß sein Museum durchaus nichts ent-
halte, dessen Aechtheit verdächtig seyn könnte.

Unter den einzelnen Abtheilungen desselben stand die
Münzensammlung oben an. Auch konnte er sich nie

*) Ein würdiges Denkmal ist diesem verdienten Gelehrten erst
kürzlich durch seinen Freund Prof. Welcker gestiftet: Zoega's
Leben; Sammlung seiner Briefe und Beurtheilung
seiner Werke, 1319. 2. B. worauf wir uns öfters werden beru-
fen müssen. Es erhellt daraus, daß Zoega, wenn gleich von dem
Cardinal unterstützt, doch nie eigentlich in seinen Diensten war.
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