Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 316
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finden. Ob sie auch persische Cylindcr mit Keilschrift ent-
hielt, die jetzt so viel Aufmerksamkeit erregen, ist mir nicht
bekannt.

Zunächst nach den Münzen und Gemmen kam die Samm-
lung von Idolen und Geräthsch asten; nicht aus
Bronze. Sie wahr sehr bedeutend und füllte in Velletri
mehrere Schränke aus. Es waren theils griechische, theils
ägyptische Idole; außerdem auch von andern Völkern des
Orients. Unter den erstem zeichnete sich vor allen ein klei-
ner Harpocrates aus; gleich interessant durch seine
Schönheit und die Vollständigkeit seiner Attribute. In der
Rechten hält er das Sistrum, und legt den Zeigefinger auf
den Mund, in der Linken das Füllhorn. Er ist geflügelt;
zwischen den Flügeln ein umgekehrter Köcher; um die linke
Lende windet sich eine Schlange; über Brust und Rücken
fallt ein leichtes Gewand, das in einem Haken zum Aufhän-
gen endet. Das schöngelockte Haar trägt einen leichten
Kopfputz. Der Cardinal ließ es in der Größe des Originals
(fast 4 Zoll) in Kupfer stechen. *) Ist es Eros als Har-
pacrates dargestellt? Wohl verdiente es eine genauere Erör-
terung. Es ist ein griechisches, kein ägyptisches Kunstwerk.
Die Zahl der ägyptischen Idole von Bronze war beträchtlich;
Osiris mit seinen Attributen; Isis bald sitzend, bald mit,
bald ohne den Orus. Besonders merkwürdig schien mir ein
Basrelief von Holz, Sycomorus, einen Fuß hoch, den Osi-
ris sitzend vorstellend. Mehrere etruskische Paterä, von de-
nen zwölf in Kupfer gestochen, **) mit Figuren und Schrif-
ten, von denen besonders eine, die Geburt des Bacchus
vorstellend, sich auszeichnet.

*) Sind dieß die in Zoega's Leben II, S.442. erwähnten Tavole
Arpocratee? Es ist nur Ein Blatt, auf dem aber der junge Har-
pocrates von drei Seiten dargestellt ist. Ich besitze auch Abdrücke
davon.

**) Zoega's Leben ir, @.442. Ich besitze drei davon; die
im Text erwähnte; eine zweite, Herkules und Omphalc; eine dritte
mit drei Figuren; beide letztere ohne Schrift.
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