Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 317
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Bereits als ich das Museum sah , enthielt es mehrere
indische Idole^ und auch indische (von indischen Mah-
lern verfertigte) Gemahlde; Scenen aus dem Mahara-
bat, besonders den Krieg mit den Affen und ihren König
Komman darstellend. Aber diese indische Sammlung ward
erst nach meinem dortigen Aufenthalt recht bedeutend; seit-
dem der Cardinal 1790 in den Umgang mit dem bekannten
indischen Missionar, Pater Paulino, kam. Die Ver-
dienste dieses Mannes um indische Alterthumskunde sind oft
zu Lief herabgesetzt. Wir haben seitdem größere Fortschritte
gemacht; aber absprechen kann man es ihm doch nicht, daß
das Studium des Sanscrit außer den Britten durch ihn den
ersten großen Anstoß erhielt. Er wurde der Freund und Be-
gleiter des Cardinals, und verließ ihn auch wahrend seines
Exils zu Padua nicht. Durch ihn ward die indische Samm-
lung vorzüglich bereichert; die meisten Stücke desselben, so
wie auch die obenerwähnten Gemahlde, sind hinter seinem
Systema Bramanicum in Kupfer gestochen.

, Wenn gleich die Sammlung keine großen griechischen
Kunstwerke enthielt, so fanden sich doch mehrere kleinere
Stücke, die theils für die Kunst, theils für die Alterthums-
kunde wichtig waren. Zu den ersten gehörte ein Relief aus
parischem Marmor, etwa einen Qnadratfuß groß, das wäh-
rend meiner Anwesenheit erstanden ward, eine Apotheose
des Hercules darstellend. Es enthielt nur zwei Figuren:
dem in den Olymp aufgenommenen und in sitzender Stellung
ruhenden Heros bietet Hebe den Neckar dar. Die Idee war
eben so schön ausgeführt als würdig und einfach gefaßt. Es
schien aus der besten Periode der griechischen Kunst zu seyn.
Leider! ist es nicht in Kupfer gestochen. Von den kleineren
für die Alterthumskunde lehrreichen Stücken ist von mir sel-
ber ein Fragment einer Marmortafel in dieselbe Classe mit
der Tabula Iliaca gehörend, und kleine Reliefs mit In-
schriften, zum Unterrichte wie es scheint, in der Mythologie
enthaltend, erläutert worden. *)

*) Bibliochek der alten Literatur und Kunst. St. 4.
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