Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 318
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Emen der wichtigsten Theile der Sammlung bildeten die
Handschriften. Griechische und lateinische Codices
fanden sich freilich darin nicht. Ihr Platz ist in den großen
öffentlichen Bibliotheken, und bei dem Ueberfluß, den diese
daran besitzen, kann bei einem Privatmanne nicht so leicht
der Geist des Sammlens dafür rege werden. Der Cardinal
beschrankte sich hier fast allein auf Aegypten. Durch einen
der Miffionare war er in den Besitz der merkwürdigen Papy-
renrolle gekommen, die von R. Schow erläutert ist; die
einzige, die von einer bedeutenden Anzahl der Barbarei der
Türken entrissen ward. *) Ist sie auch durch ihren Inhalt
nicht sehr wichtig, (sie enthält ein Namenverzeichniß der
Arbeiter und ihrer Aufseher, die bei den Nil-Kanälen in
Arsinoe angestellt waren, aus der römischen Periode;) so
ist sie es doch für die Paläographie. Der eigentliche Schatz
des Mufti bestand aber in den Cop tischen Handschriften,
worin wohl keine andere Privatsammlung, schwerlich auch
eine öffentliche, ihm gleich kam, (ihre Zahl beläuft sich auf
400;) verdoppelt wurde aber der Werth derselben durch
den davon gemachten Gebrauch. Auch hier war es Zoega,
der die Sprache erlernte, die vielen aus Aegypten zerstreut
angekommenen Blätter ordnete, sie durcharbeitete, und einen
raisonnirenden Catalog mit Auszügen und Proben
dem Druck übergab, **) dessen Kosten der Cardinal trug,
mit dem Vorsatz, die ganze Auflage, wie es auch mit dem
ägyptischen Münzwerk geschehen war, dem Verfasser zu
schenken. Nach seinem Tode ward das Werk aber von dev
Propaganda in Beschlag genommen; und erst imIahre 1809

*) Charta Papyracea graece scripta, edit. a Nie. Schow,
Romac 1789«

**) Catalogus Codicum Copticorura Musei Borgiani, opus
posthumum; P>.oxnae igiZ. Kurz darauf erschieneu auch vom Hrn.
Probst Engelbreth/ dem Schüler Zoega's, im Coptischen: Frag-
rnenta Basmurico - Coptica V. et N. Testamenti, quae in Museo
Borgiano asservantur. Hafniae iZn. Der Basmurische Dialekt des
Coptischen wurde durch diese Bruchstücke zuerst bekannt.
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