Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 324
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wird , wie es selbst bei den berühmtesten Sammlungen dieser
Art aus offen da liegenden Ursachen nicht der Fall ist.

Der erste Zweck, welchen sich der Baukünstler zu setzen
hatte, den das Zutrauen des erhabenen Stifters zur Aus-
führung dieses für die Ewigkeit berechneten Monumentes,
berief, bestand darin, jene durch einen Eifer ohne Gleichen
vereinigte Sammlung herrlicher Werke der ägyptischen Kunst
chronologisch zu ordnen, und das Fortschreiten undSichaus-
bilden derselben dem Auge^faktisch darzustellen, also, wie
die griechische Kunst aus ägyptischer Wurzel aufwuchs, sich,
auf Hellas vielgetheiltem Boden zu ihrem Gipfel erhob,
unter Roms Weltherrschaft fortgesetzt wurde, und, nach
langer Versunkenheit, mit dem Wiederaufleben der Huma-
nität im Occident, hier zum reinen Sinn zurückkehrte, fort-
dauernd und kräftig nach der alten Höhe aufstrebend. Die
Reihe der zehn Säle wird also mit Aegypten beginnen; dann
folgt der alte heilige Styl; dann die Aegineten, die Epoche
unmittelbar vor Phidias und die des großen Meisters selbst,
als die griechische Kunstblüthe; dann die Werke bis auf Ha-
drians Zeit herab, in drei Sälen; nun die römische Kunst,
die Bronzen und gefärbten Marmor; endlich die neue Kunst
seit ihrer Wiedergeburt im fünfzehnten Jahrhunderte.

Das durch diese Eintheilung also bestimmte Innere mit
dem Aeußeren zu einem Ganzen zu machen, und selbst in
den einzelnen Sälen dem Baustyle der Zeit, welcher die
darin ausgestellten Werke angehören, in so weit zu folgen,
als es das architektonische Ganze, das stets Hauptbedingniß
bleibt, zulies, war die zweite Aufgabe, welche der
Architekt zu lösen suchte.

Das Ganze ist ein Quadrat, welches einen Hof ein-
schließt. Die Fronte, an welcher die jonische Ordnung nach
allen Seiten entwickelt erscheint, besteht aus dem hohen Por-
ticus in der Mitte und aus zwei niedrigern Flügeln. Das
Ganze der Fronte ruht auf drei hohen Sockeln und ist durch-
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