Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 325
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aus von weislich ein Salzburger Marmor erbaut, welchen
schon ein alter italianischer Schriftsteller, Scamozzi, (läea
cleirAchitettura, parte III., Cap. IX. p. 201) allen
italianischen Marmorn an Dauer und Schönheit gleichstellt.
Diese köstliche Steinart verstattet die gelungenste Ausführung
der Bildhauerarbeit und Ornamente, an denen die Fronte
reich ist.

An dem Porticus nemlich bilden zwölf Säulen in zwei
Reihen einen Octastylos mit Gibel und Dach, nach Art der
griechischen Tempel. In dem großen Giebelfclde desselben
findet sich eine reiche plastische Darstellung in einer Zahl frei-
stehender rundgearbeiteter Figuren, die auf der 3 — 4 Fuß
tiefen Basis des Giebelfeldes ruhen, so wie es sich an dem
Tempel zu Aegina und am Parthenon in Athen fand. Sie
stellen die verschiedene Ausübung der Kunst dar und kündigen
somit die Bestimmung des Gebäudes an. In der Mitte die
hohe Pallas Erganc, die Werkmeisterin der gefammten bilden-
den Kunst. Zu ihren beiden Seiten sind männliche Figuren
in der Arbeit begriffen und lassen den ganzen Ciclus der
Bildnerei übersehen; der dichtende Plastiker modellirt
in Thon; der Statuarius gießt in seine Form; der
Loreut arbeitet an einer Statue zusammengesetzter Art;
der Sculptor an einer Herme in Marmor; sein Bruder,
der Bildner in Holz gestaltet mit Säge und Stemm-
eisen einen Baumstamm zur Statue; der architektoni-
sche Bildhauer vollendet das Capital einer Säule; der
Kunsttöpfer eine irdene Vase; der Cireumlitor
färbt eine Bildsäule. —

Die beiden Seitentheile der Fronte neben dem Porticus
zieren sechs Nischen oder aeäiculae von Pilastern und Gie-
beln umgeben. In diesen stehen als sechs Colossalstatuen rue
beiden mythischen und göttlichen Schöpfer der Kunst, H ef
phästos und Prometheus; ihre beiden irdischen Heroen,
Dädalus und Phidias; und die beiden mächtigen Be-
schützer derselben, Perikles-und Hadrian.
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