Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 340
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male der Ziegelbrenner. Rechnet man nun zu allen diesen
die Statuen und Inschriften in Marmor und Bronze, die
Msssaiken auf den Fußböden, die Malereien, die Kapitäler,
Säulenfchriften und Cornichen in Marmor, die man hier
fand; so läßt sich gar nicht zweifeln, daß die Bewohner
dieser, lange Zeit, fast bis auf dem Namen verschwundenen
Stadt, weit über dem bloßen Bedürfniß gestanden und Zier-
lichkeit mit Prachtliebe verbunden haben.

Sehr zweckmäßig beschäftigt sich das Zte Kapitel mit
einem Excurs auf den Bergen Maria und Rovinazzo, welche
nach ihren verschiedenen Mergel- und Thonschieferschichterr
und aufgeschwemmten Steingerollen, geografisch untersucht
werden. Daraus wird dann im yten und letzten Kapitel
die Katastrophe erklärt, welche dieser blühenden Stadt den
Untergang bereitete. Die Geschiebe jener Berge, an deren
Fuß und aus deren Eingeweide» Velleja erbauet war, durch
Wasser nach und nach aufgelöset, wurden zu einer Erdschutt-
Lavine oder zu einem Bergfall, der die Stadt überdeckte.
Hier wirkten also ganz entgegengesetzte Kräfte von denjenigen,
die Pompeji unter einer Rapillodecke begruben. An einen
Vulcan oder an ein Erdbeben, wie andere diese Verschüt-
tung haben erklären wollen, ist nicht zu denken. Im ersten
Falle müßte man in der Gegend vulcanische Spuren und
Producte entdecken, wovon nirgends etwas zu sehen ist.
Denn die von mehreren Naturforschern, von Spallanzoni,
Volta, Amoretti, und zuletzt noch von Cortesi, der darüber
einen Brief an den Professor Veneziani in Piacenza drucken
ließ, an dem benachbarten Berge 61 8. Olneslo, beobach-
tete Erscheinung, daß auf den dortigen Serpentinsteinmassen
die Ränder der weißen Körper eine schöne grüne Farbe spielen
und welche Antolini selbst für die Wirkung eines oxydirten
Bodens erklärt, sind wohl nichts anders als Ausströmungen
von Wasserstoffgas. Eben so wenig kann der Untergang
dieser Stadt einem Erdbeben zugeschrieben werden, in welchem
Falle ja die sammtlichen Trümmerhaufen und verschiedenen
Flächen, auf welchen die-Gebäude standen, nicht irr völlig
wagerechter Lage gefunden werden könnten. Es bleibt also
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