Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 346
DOI Heft: 10.11588/diglit.9751.22
DOI Artikel: 10.11588/diglit.9751.24
DOI Seite: 10.11588/diglit.9751#0400
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/amalthea1820/0400
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
die meisterhafte Lösung dieser gewiß nicht leichten Aufgabe,
hat der uns unbekannte Künstler seine erfinderische Kraft und
Kunstgeschmack genugsam beurkundet, und sein Werk wird
seine Wirkung nicht verfehlt haben. Denkt man sich diese
Statue vielleicht in einem mit Buschwerk durchzogenen Gar-
ten oder Hain an einer Quelle ausgestellt, die zugleich an die
ganze Entstehung des Hermaphroditen mittelst der Nymphe
Salmacis erinnert, so kann man sich fast keine sinnvollere
Erfindung eines Kunstwerks denken.

Dem Naturgesetze der alles zerstörenden Zeit, dem mehr
oder weniger alle antiken Kunstwerke unterworfen sind, konnte
auch dieses nicht ganz entgehn, obwohl es, wie die meisten
inPompcii begrabenen und aufgegrabenen, durch die schnelle
und jähe Verschüttung, durch das leichte, sanfte Material
von Asche und Wasser, glücklicherweise der gröbern Zerstö-
rung entzogen wurde, welche auf anderswo befindlich gewe-
sene Kunstwerke durch Bosheit oder Unwissenheit der Men-
schen und allmahlige Erhöhung des alles verschüttenden
Bodens, so nachtheilig gewirkt hat. Ueberhaupt würden
wir der vulkanischen Verschüttung durch leichte Asche und
Sand den größten Schutz und die Verwahrung alter Kunst-
werke wahrscheinlich zu danken haben, wären nicht diese Re-
volutionen zugleich von Erderschütterungen so heftig begleitet
worden, die nichts auf seinem Platze unverrückt gelassen.
Diese Erfahrungen hat auch unser Hermaphrodit gemacht,
welcher, obwohl er zwei verschiedene Restaurationen erlitten,
doch weniger als gewöhnlich der-Fall, gelitten. Man fand
die Statue ziemlich unversehrt, außer daß die linke Hand,
die Ferse des linken Fußes und ein Stück des Tronks, an
welchen sich die Statue lehnt, fehlten: welchem Mangel
man durch die jetzige, nicht mislungene Restauration dieser
Theile vom Bildhauer Angiolo Solari zu Hülfe gekommen ist.
Aber schon fast 2200 Jahre früher hatte diese Statue eine
Restauration erlitten, wahrscheinlich, wenn unsere Vermu-
thung nicht zu kühn, nach der Erderschütterung, die Pompei
wenige Jahre (den 5. Febr. des Jahres 6z nach Ehr. G.)
vor der Hauptverschüttung von 79 erfuhr, deren Folgen
loading ...