Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 347
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am deutlichsten auf dem Hauptforum sichtbar. Was damals
verrückt und zerstört wurde, suchten die sorglosen Pompeianer
wiederaufzubauen und herzustellen, wovon die angefangenen,
durch den gänzlichen Untergang der Stadt unvollendet geblie-
benen Arbeiten jetzt noch bemerkt werden. So mag auch
durch diese Veranlassung unsere Statue gelitten und vielleicht
selbst nicht bis zur Vollendung restaurirt worden feyn. Die
alte Restauration ist sichtbar an dem Kopfe, welcher ihr
damals von neuem aufgesetzt worden, ja uns schien der Kopf
selbst von anderm Marmor zu feyn, 'obwohl wir dieses eben
so wenig verbürgen, da das Gedächtniß hierin uns etwas
verlaßt, und wir dieses in Rom schreiben. Wir sind unserer
Sache zu wenig sicher als daß wir aus dem Gedächtniß ent-
scheiden möchten, ob der angesetzte rechte Arm Restauration
alter oder neuer Zeit, von dem Meißel genannten neapolita-
nischen Bildhauers ist. Ist der Kopf und der übrige Körper
von demselben Marmor, so steht der Meinung nichts entge-
gen, ihn für den ursprünglichen zu halten, der bei der
Erderfchütterung herabgestürzt und dann wieder aufgesetzt
worden sei.

Dieses Werk, sei es Original oder Copie, für griechische
Erfindung und Arbeit zu halten, scheinen wir vollkommen
berechtigt zu seyn. Schwieriger und fruchtloser dagegen
dürfte die Untersuchung seyn, ob der durch vierfache Wieder-
holung berühmte liegende Hermaphrodit oder der in Rede
stehende in Pompei ausgegrabene, welcher jenem weder an
Erfindung noch an Ausführung nachsteht, Nachahmnng der
berühmten Hermaphroditenstatue des Polykles sei. Jene
von Visconti angenommene Meinung stellt als unerweiß-
lich schon Hr. Meyer auf zu Winkelmann's Gefch. d. K. T. 4.
p. 270., und wir fügen hier nur noch einen Zweifel
hinzu, nach welchem schwerlich dem liegenden Hermaphrodit
das Werk des Polykles als Vorbild gedient haben kann.
Wie überhaupt liegende Statuen selten und nach des altern
Philostratos verständiger Bemerkung, dem Effect plastischer
Vorstellung weniger günstig als stehende sind, so möchte zu-
mal die Bildung einer horizontal liegenden Statue (wie die des
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