Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 350
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zu erklären *), und man braucht sich nur an Aristophanes
launige Erzählung in Plato's Symposion zu erinnern, die
sich gewiß auf die Tradition eines tiefern, ernstem Mythos
gründete, um auf eine uralte traditionelle (H'pur der Erfin-
dung des antiken Hermaphroditen zu gelangen. Die in Rede
stehende Statue giebt sogar durch die Bildung von Faunen-
ohren uns die Classe der zusammengesetzten Doppelwesen an,
welchen der Hermaphrodit zuzugesellen, und welchen sicher
nicht ohne Bedeutung Dionysos mit seiner zarten in den weib-
lichen Charakter übergehenden Körpergestaltung vorangeht.
Und wirklich kann man den Hemaphroditen keine passendere
Stelle anweisen, als dem Zuge des Dionysos zwischen den
zweideutigen Geschlechtern von Faunen, Satyren, Centauren
zu folgen. Eine kurze, aber sehr wichtige Nachricht bei
Suibas erlaubt sogar auf eine Identität der Hermaphroditen
und des Bacchos zu schließen, was jetzt aber nur mir des
Grammatiker Worten angedeutet werden kann: T. i. p. 134.
ed. Kust. heißt es: 'ARlAEOEERlOL xai o Aiowaog,
tüg xai fd avögos rröuuv, xai ra yvvaixcijv Trda^cüV,
jj dvavöQog xai 'Egiia(p^6birog. Auf diese bacchische
Verwandschaft des Hermaphroditen deuten selbst einige andere
uns erhaltene Kunstwerke hin, auf deren Aufzahlung wir uns
hier beschränken müssen, da für gründlichere Untersuchung
Zeit und Muße fehlt. Um nicht die sowohl schön erfundene
als ausgeführte, in der Dresdener Gallerie befindliche Gruppe
des Fauns und Hermaphroditen (siche Marbres de Dresde
pi. ßoO hierher ziehen zu wollen, die ihr Daseyn wohl nur
einer schlüpfrigen Idee verdankt, und auf sich die Worte
Plinius El. N. 7, 3 olim Androgynos vocatos et in
prodigiis habitos, nunc vero in deliciis anwenden
läßt, erinnern wir zuvörderst an eine in dem Museo degli
studi in Neapel aufgestellte jugendliche, stehende Bacchos-
statue griechischer vortrefflicher Arbeit, dieselbst durch das Ge-
wand hindurch, mit welchem sie fast ganz bekleidet ist , beide

*) Collectaneen zu weiterer Ausführung dieser Idee giebt Maffei
Gemm. antiq, T. 5. p. 20. Seiden de Diis Syris 2, 2. p. »zg.
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