Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 355
DOI Heft: 10.11588/diglit.9751.22
DOI Artikel: 10.11588/diglit.9751.25
DOI Seite: 10.11588/diglit.9751#0409
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/amalthea1820/0409
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
355

cangiamenti apparenti di sesso erzählte, sind ja zur
unleugbarsten Evidenz gebracht. Nur Möchte es unsicher
seyn, die alten androgynischen Vasenfiguren, die offenbar
nur mystisch-allegorische Wesen sind, zum Beweis für die
Wirklichkeit der Hermaphroditen zu machen, wie B l u-
M e n b a ch that im I. Lpecimine historiae naturalis an-
tiquae p. 15.

Das sind häßliche Monstrositäten. Ins Wasser mit
diesen! rief die römische Staats-Religion. Darum kümmert
sich das rein plastische Alterthum nicht. Griechische Dichter
und Künstler bildeten zu ganz andern Zwecken diesen ehrwür-
digen Naturmythus aus. Diese Verschmelzungen der Nymphe
Salmacis mit dem holdesten Knaben, diese Erzeugnisse der
wollüstigsten Künstlerfantasie suchte freilich durch das üppigste
Aufgebot der weichlichsten Formen beider Geschlechter, wo
es nach Martials Definition heißt: par8 est una patris,
cetera matris habet (XIV. ep. 74), ganz andere Zwecke
zu erreichen, deren Endpunkt sich in den zwei Symplegmen
der Dresdner Antikengallerie deutlich genug hervor hebt, da
es hier wirklich zu einer alles vollendenden y.hvorcä\-i\ fommt.
Diese Schöpfungen griechischer Kunst lösen gleichsam durch
eine der freisten künstlerischen Verschmelzungen jene in den
unübersetzbaren Eroten Lucians unentschieden gebliebene
Streitfrage.

Das Merkwürdige in dem Hermaphroditen, dessen Be-
schreibung wir dem Hrn. D. Hase verdanken, bleibt die
vom gewöhnlichen Charakter der Hermaphroditenstatuen so
ganz verschiedene aufrechte Stellung. Man braucht nicht
erst die Epigrammen des Strato gelesen zu haben, um zu
wissen warum die auf dem Bauche liegende Stellung der
Hermaphroditenstatuen dem Zwecke, wozu sie der griechische
Künstler gerade so und nicht anders bildete, am meisten zu-
sagte. Visconti hat es in seiner Erklärung zu dem zu
Velletri gefundenen und ins Musee Napoleon gebrachten
liegenden Hermaphroditen, welcher in dem großen Werk des
Mnsee Francois von Robillard - Perronville und Laurent
in Kupfer gestochen wurde (8erie Quatrieme, Partie IV
loading ...