Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 356
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du Tome IV.), sehr wahrscheinlich gemacht, daß eine be-
rühmte Bronze des Bronzegießers Diocles, des Vaters des
Limarchides, dessen Hermaphroditum nobilem Plimus
ausdrücklich anführt (XXXIV. §. 19. n. 20.) das wahre
Musterbild aller vier noch vorhandenen, liegenden Herma-
phroditen (zweiBorghesische, der Florentinische und der von
Vellerri) gewesen sei. Zu den liegenden Hermaphroditen
gehört auch ohne Zweifel die bekannte Vorstellung auf meh-
reren geschnittenen Steinen und Grablampen in Terra
Cotta, wo eine weibliche Figur in den zartesten Umrissen auf
eine Löwenhaut im üppig gebogenen Rücken vorwärts hinge-
gossen und von drei schlafenden Amorinen umgeben, vorge-
stellt wird. S. Vartoli Lucernae sepulcraies
T. I. tav. Z- Man hat diese Vorstellung für die Nacht
halten wollen und die schlummernden Genien für Traume.
S. Hirt's Bilderbuch Tafel XXVll, 5. mit der
Erklärung Th. II. S. 199. Auch Creuzer hat sie in
seinem Atlas noch als Nacht aufgeführt Tafel VII, 1. Doch
entstanden dem umsichtigen Forscher bei der Erklärung selbst
Zweifel und er fügt bedächtig hinzu, man kann bei dieser
Figur auch wohl an einen Hermaphroditen denken, von
welchem sich die Eroten wie verschüchtert weggewendet hatten
(?) und nun schliefen. Vergleicht man aber die bekannte
Vorstellung des auf der Löwenhaut wollüstig ausruhenden
Hermaphroditen auf der bekannten Florenkinischen Gemme
(Mus. Florent. I, Z2. 5.) oder in der Oaleria Reale di
Firenza in den Gemmenblättern n. 20, 2. oder in der
Sammlung des Königs von Frankreich bei Mariette I,
26., auch in Maffei, Lippert u. s. m.; so findet man auch
hier die drei Amorinen, nur hier nicht schlummernd mit
dem Schlummernden, sondern dem Wachenden mit Musik
und Zufächeln kühlender Luft dienstbar. Wer die sogenannte
Troubixd der griechischen Anthologie kennt, wird selbst über
hier überall wiederkehrende Zahl drei, in diesen den Herma-
phroditen dienenden Genien, nicht weiter in Verlegenheit
seyn. Und dann eine schlafende Nacht mochte wohl
der Tiefes ausdenkende, Kräftiges gestaltende Michel Angelo
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