Böttiger, Carl August   [Hrsg.]
Amalthea oder Museum der Kunstmythologie und bildlichen Alterthumskunde — 1.1820

Seite: 358
DOI Heft: 10.11588/diglit.9751.22
DOI Artikel: 10.11588/diglit.9751.25
DOI Seite: 10.11588/diglit.9751#0412
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/amalthea1820/0412
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
facsimile
358

archäologischen Museum Taf. 4. wobei ich im Com-
mentar S. 50 die Vermuthung äußerte, es habe sich im
Alterthume wahrscheinlich vom Maler Aristides ein Muster-
bild der Art irgendwo befunden. Auf jedem Fall war nun
die Anwendung auf die Ueberraschung eines schlummernden
Hermaphroditen aus dem Gefolge des Bacchus, in welchem
wir ihn im Alterthum öfter erblicken, durch einen indiscreten
und zudringlichen Satyr sehr leicht gemacht, und es sind
wirklich noch Reliefs und geschnittene Steine vorhanden,
worauf der ganze Vorfall lächerlich genug abgebildet ist.
Denn man denke sich die Ueberraschung des Ueberraschenden,
wenn er statt der willfährigen Nymphe einen ganz anders be-
gabten Hermaphrodit enthüllt. Eines der gelehrtesten und
angeführtesten Bacchanale ist das, welches den Umfang
einer großen Marmorschale in der Villa Albani ziert, wo
Hercules Theilnchmcr an der bacchantischen Ausgelassenheit
(<jvy$-iaawT7jg) ist in Z 0 ega's Lassi Piilievi T. II.
tav. LXXII. Da belustigen sich unter andern auch drei
Satyrisken mit der Enthüllung eines wie todt daliegenden
(beide Arme über den Kopf legenden) und tief schlafenden
Hermaphroditen. Zoega hat wider Gewohnheit diesem
Marmor im Einzelnen weniger Aufmerksamkeit geschenkt
und er sagt von dieser sehr verständig geordneten ausdrucks-
vollen Gruppe weiter nichts, als non abbisogna spie-
gazione. Hier würde uns Welcker gewiß noch manchen
Zusatz gegeben haben, wenn nur erst seine seit 10 Jahren
unvollendet gebliebene Ausgabe mit der deutschen Beobach-
tung in unfern Händen wäre! Derselbe Gegenstand, doch
anders behandelt, erscheint uns auf einem sehr zierlichen In-
Laglio eines Onyx mit zwei Lagen (Niccolo), den Guat-
tani in seinenMonumenti antichi inediti perl’anno
1735. Settembre tav. I., zuerst bekannt machte und uns
als einen Hermaphrodit-Bacchus vorführt. Wenn konnte im
feinemSinne des Alterthums dem Bacchus selbst solche Schmach
widerfahren, ihm, dem in jedem bacchischen Getümmel nur
herrschenden Gott, der als Triumphator oder sich auf eine
Nymphe stützend in Wonne verbreitender Ruhe zuschauet,
loading ...